Donnerstag, 15. Dezember 2011

Dazu gehören VS. Selbstfindung

Wie ich neulich für Werbepsychologie gelernt habe, hat mich ein Absatz in meinem Skript sehr nachdenklich gestimmt. Es ging darin um die kulturelle Unterschiede in der Werbung. Als Beispiel wurde genannt, dass Werbung in USA und Europa mehr auf Individualität und persönliche Vorteile ausgelegt sind, während die Asiaten in ihrer Werbung lieber möglichst viele zusammengehörende Menschen in einer Gruppe sehen. Selbstfindung VS. dem Aufgehen in einer Gruppe.

Es sei mal dahin gestellt, ob dieser kulturelle Vergleich tatsächlich zutrifft. Was mich eher zum Nachdenken gebracht hat, war: Ist das so? Entscheiden wir uns in unserem Leben an irgendeinem Punkt entweder für Individualität oder der Zugehörigkeit zu einer Gruppe? Denn seien wir mal ehrlich: Je größer die Gruppe, in die man hineingehören möchte, desto weniger kommt das Ureigene heraus. Im Zentrum steht ganz einfach nicht mehr unsere kleinsten und feinsten Details und Vorstellungen, sondern der gemeinsame Geist. Man steckt zurück. Das hört sich negativ an, muss es aber nicht sein. Denn der Mensch ist ein Herdentier, er geht in der Gruppe auf. Mag das nicht auf jeden hundertprozentig zutreffen, ist es wohl kaum zu leugnen, dass wir uns wohl fühlen, wenn wir von Menschen umgeben sind, die wir mögen. Ja, wichtige Voraussetzung ist, dass die Gruppe unserem Ich entspricht.

Doch was ist mit der Individualität? Mit der Persönlichkeit? Jeder von uns ist, auch wenn das nun pathetisch klingen mag, einzigartig und hat seine eigenen Stärken und Schwächen, Erinnerungen, Gedanken und, noch pathetischer: Jeder ist für sich ein Wunder. Einfach nur weil es ihn in seiner Einzigartigkeit gibt. Sollte man das nicht ausleben? Ist es nicht schade, wenn dieses Wunder untergeht in einer Gruppe, in der alle zurückstecken, um zusammen etwas zu machen?

Ich glaube, man macht einen Fehler, wenn man hier versucht, ein Entweder/ Oder zu erzwingen, wie es in dem Werbungsbeispiel vorgegaukelt wurde.
In der Gruppe findet man Sicherheit, Halt. Man muss nicht alleine entscheiden und im Zweifelsfall für Fehler alleine einbüßen.
Doch es ist auffällig: Während in der Jugend die Freundeskreise und sogenannte Cliquen nicht groß und verbandelt genug sein können und man Freunde wie Sticker sammelt, um möglichst viele Gleichgesinnte um sich zu scharen, nimmt das im steigenden Alter rasant ab. Die Freunde werden in den meisten Fällen weniger, aber besser. Und vor allem: Je älter wir werden, desto mehr wissen wir sehr genau, dass wir NICHT wie unsere Freunde sind. Man ist und bleibt man selbst, ebenso der Freund, aber glücklicherweise passt man gut zusammen.

Der Selbstfindungsprozess und die Identifikation des eigenen Ichs findet statt, wenn man gemerkt hat, dass Sicherheit und Halt in der Gruppe schön, aber nicht alles sind. Der Mensch ist meistens auf der Suche. Auf der Suche nach sich selbst. Wirklich glücklich und erfüllt kann jemand, denke ich, nur sein, wenn er erkannt hat, was ihn auf diesen Planeten einzigartig macht.

So gesehen ist eine Gruppe nicht einfach eine Ansammlung von Leuten auf einem Haufen. Es sind Individuen mit ihren ureigenen Charaktereigenschaften, Erinnerungen und Erlebnissen, die gemeinsam dem größten gemeinsamen Nenner der Menschheit frönen:

Dem Zusammensein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen