Montag, 22. August 2011

Und täglich grüßt der Burnout

Ausgelaugt, unzufrieden, voller Dinge im Kopf, aber ohne Antrieb, auch nur irgendwas die Tat umzusetzen. Weil man zu viel gemacht hat. Es ist die Krankheit unserer Zeit: Burnout. Immer mehr Menschen und Berufsgruppen leiden darunter. Doch woran liegt das? Ist das 21. Jahrhundert so anstrengend? Jein. Bekannt ist bereits, dass ein großes Problem ist, dass es zwar für viele sehr fordernd und stressig ist. Aber nicht für das, wofür wir eigentlich ausgelegt sind: Relativ bis ziemlich simple Tätigkeiten und Handarbeit. Laufen, springen, sammeln. Gut, soweit wärn wir also schonmal. Wir sind eine Fortsetzung der Affen und sollten eigentlich herumlaufen, Bisons erlegen, Feuer machen und Beeren sammeln. Schnitzen, nähen, bauen. Und vielleicht noch ein paar Höhlenmalereien, wenn Zeit bleibt. Jetzt sitzen wir vorm Computer und anderen technischen Geräten, schalten, walten, drücken Knöpfchen, tippen auf Tasten und klicken auf Mäuse. Jede Menge Daten, Wissen, Info, die unser ganz spezielles kognitives Wissen braucht, um sie zu entschlüsseln. Winzig kleine Details (würde man die tatsächliche Größe mit etwas realem vergleichen wie einer Nuss), die einen gigantischen Unterschied ausmachen). Alles Dinge, die man so nicht in die Hand nehmen kann. Virtuelle Dinge.


Der neue Mensch
Unser Gehirn hat sich weiterentwickelt. Wofür auch immer wir usprünglich ausgelegt waren, wir haben uns nicht ohne Grund verändert. Die Evolution verhält sich nicht grundlos. Das bessere Hirn überlebt auf Dauer auch länger. Dachte man.
Jetzt sind wir an den Punkt gekommen, wo Denker sich selbst mit dem Denken fertig machen. Weil sie denken, sie müssen immer denken. Klingt komplex? Ist es auch.
Der Punkt ist, dass man, ganz gleich wie sportlich oder unsportlich man auch sein mag, ein natürliches Empfinden für Kraft und Ruhe, Energie und Erschöpfung hat, wenn es um den Körper geht. Man strengt sich an und ist nachher müde. Die Muskeln haben geleistet und haben sich ihre Pause danach redlich verdient. Ausgenommen sind hier natürlich Sportsüchtige.


Und das Hirn?
Doch wie schauts mit dem Köpfchen aus? Viele gehen mit ihm um, als wäre er der Depp vom Dienst. Sie fordern ihr Hirn, wie sie keinen ihrer Muskel strapazieren und quälen würden. Unermüdlich drehen sich die Rädchen (auch ohne unser Zutun), aber da muss immer noch mehr gehen. Ein Fehler wird auch oft gemacht, hier nur von der Kopfarbeit auszugehen, wenn man ihn tatsächlich richtig aktiv fordert, um Ideen zu sammeln, Lösungen zu konstruieren und Erinnerungen hervorzuholen. Dabei ist er ja ständig im Einsatz, unser Kopf. Auch wenn wir ein Bild bei Adope Photoshop zurecht schneiden wie wir es bereits gefühlte millionen mal getan haben. Selbst wenn wir eine Zitrone schneiden oder ganz besonders, wenn wir Däumchen drehen.
Wir leben nicht nur in einer virtualisierten Welt, sondern auch noch in einer Leistungsgesellschaft. Will heißen: Wer am besten denkt, am meisten produziert, der ist auch der beste. Jede Menge Druck für das eh schon recht strapazierte arme Köpfchen.


Frust statt Belohnung
Statt am nächsten Tag wegen Muskelkater geschont zu werden, wird gegen das Kopfweh eine Aspirin eingeworfen und weiter gehts. Kreativität bedarf Entlastung, am Ende sogar jeder Gedanke. Es steigt der Frust: Warum kommen mir keine neuen Ideen? Statt stolz auf das zu sein, was der Kopf geleistet hat, fordert man noch mehr und ist unzufrieden.
Das Hirn gibt und gibt und kriegt kein einziges Dankeschön. Stattdessen kommt dann auch noch der Frust dazu, dass alle von Sport und Abnehmen reden. Wer im Büro sitzt und denkt, ist ein Bürosesselhocker und somit irgendwie faul. Er sollte sich bewegen.
Tut zwar tatsächlich gut und wirkt super als Ausgleich, aber oft bleibt es nur beim von der Gesellschaft suggeriertem schlechten Gewissen, ohne tatsächlich raus zu gehen um zu sporteln. Von Zufriedenheit kann also auch hier keine Rede sein.


Denken ist Leistungssport für sich!
Die Menschen heutzutage haben also ständig das nagende Gefühl, sie leisten und leisten und haben trotzdem noch lange nicht all das erreicht, was in der Gesellschaft anerkannt ist,
Dass der Kopf irgendwann beleidigt die Koffer packt und keinen Bock mehr hat, ist ja dann eigentlich nur noch verständlich. "Mach deinen Scheiß doch allein!", sagt er, lässt noch ein paar Sachen aufm AB, was wir eigentlich noch tun sollten. Und die Kraft dafür, die Ideen und Kreativität? Tja, die hat er leider mitgenommen.
Die Lösung liegt auf der Hand. Sie besteht m.E. aus drei Hauptsäulen: Ruhe, Bewegung und Schaffen. Ruhe, um den Kopf eine Pause zu gönnen und anzuerkennen, was er leistet. Jeden Tag. Jede Minute. Jede Sekunde. Einfach mal nur daliegen und an nichts denken. Ein flotter Spaziergang kann die Gedanken genauso „durchpusten“, will heißen: Man denkt nur noch an das, was da vor einem liegt. Und nur ganz unterbewusst an alles drum herum. Da wären wir auch schon bei Bewegung. Sport ist ein super Ausgleich, doch nicht nur der. Jede Form von Bewegung. Und zum Schaffen: Wer die Freude am Nähen, Töpfern, Stricken, Gärtnern oder Kochen für sich entdeckt hat, weiß wovon ich spreche. Es sind Tätigkeiten, die nicht stupide sind aber routiniert genug, um dabei abzuschalten und gleichzeitig mal ganz andere Hirnregionen zu beanspruchen. Wie gut das tut, probiert man am besten selbst aus.


Auf den Körper hören
Wenn wir wieder mehr lernen, auf unseren Körper zu hören und unseren Kopf als den wahren Leistungssportler und Helden des Körpers behandeln, der er ist, dann kommen wir auch wieder raus aus dem Burnout.
War man mal einen ganzen Tag lang am See baden, hat genossen und einfach nur abgeschaltet, dann kommt er auch wieder: Der Kopf aus dem Urlaub. Mit ganz viel frischer Energie und Ideen im Koffer.

Samstag, 20. August 2011

Das optimale Leben


"Du suchst das optimale Leben", säuselt Annett Louisan ins Mikro und beweist damit wieder mal: Den Intellekt dieser Frau unterschätzt man wegen ihrer Klein-Mädchen-Lolita-Stimme gründlich. Denn was sie anspricht, ist ein Thema, das uns alle betrifft: Die Suche nach dem Glück. Immer nach dem bestmöglichen Leben streben. "Doch jetzt wo du alles hast, willst du mehr" singt sie weiter und macht deutlich: Das kann ins Endlos führen.


Mal ganz von vorne: Was genau ist eigentlich der Grundgedanke hinter dem "Optimalen Leben"? Das sind oft Idealvorstellungen. Woher die rühren, ist so unterschiedlich, wie die Persönlichkeiten selbst. Ob das nun die Eltern sind, die in unseren Augen genau das erreicht haben, was wir auch haben wollen (Guter Job, gutes Leben, Glück und Zufriedenheit) oder Stars, die in schicken Villen wohnen. Auch genau das Gegenteil, nämlich Weltenbummler ohne festes Domizil und mit nicht mehr Besitz, als das, was sie auf dem Rücken tragen können, kann das Vorbild und die Traumvision sein. Das, was erstrebenswert erscheint, ist ein buntes Gemisch aus Erlebnissen, Erfahrungen, Prägung, Träumen und wahrscheinlich auch eine gute Portion Veranlagung.


Soweit so optimal. Hat man sich einmal unbewusst oder bewusst (meistens eine Mischung aus beidem) ein bestimmtes Ziel und Optimum gesetzt, einen Lebensstil den man erreichen will, setzt man ihn in die Tat um. Ob langsam und allmählich über langwieriges Studium und Bausparkasse oder Hauruck-Verfahren mit der Buchung einer Weltreise hängt ganz von Ziel und Charakter, sowie wahrscheinlich auch Vernunft der Person ab. Es beginnt eine Reise ins Unbekannte, auf der man genau das versucht zu erreichen, wovon man immer schon geträumt hat. Egal was man tut und wie man es angeht: Sie wird etappenweise laufen.


Doch was viele vergessen: Diese Reise hat kein Ziel. "Der Weg ist das Ziel" meint genau das. Statt uns festzulegen, irgendwann "angekommen" sein zu wollen, sollten wir uns nochmal darauf zurückbesinnen, was wir eigentlich wollen. Ist das wirklich Stillstand? Das kann keiner ernsthaft wollen. Der Mensch ist nicht so. "Gestern war es noch das Größte. Heute wirkt es ordinär", singt Annett Louisan und hat damit vollkommen recht. Zwar ist der Mensch ein Gewohnheitstier und kann durchaus sogar ein Leben lang Gefallen an gewissen Details des Lebens finden. Hobbys, Partner, Freunde, was auch immer. Wäre ja schlimm wenn nicht. Doch egal wie toll ein Leben ist, und wie sehr wir darin unsere Träume verwirklichen konnten und können: Ohne Wandel, Veränderung und Abwechslung wird es uns früher oder später nicht mehr das geben, was es uns einmal gegeben hat und uns in einem Frust zurücklassen, wieso wir eigentlich "nie zufrieden" sind.


Statt also immer nach dem "Optimum" zu suchen, immer den Zustand erreichen zu wollen, bei dem man dann "nichts mehr ändern muss, weil alles genau so passt", sollte man sich seine Ziele anders setzen. Man sollte m.E. etwas kürzer treten und nicht zu viel verlangen. Von sich und vom Leben. Das heißt nicht, sich mit Zuständen abzufinden. Für seine Ziele zu kämpfen, ist ganz klar das Beste, was man tun kann. Jeder ist seines Glückes Schmied.
Nur: Glück ist das, was man JETZT und HEUTE empfindet. Es ist nichts, das man in ferner Zukunft erreicht. Das Ziel sollte also sein, ein Leben zu führen, in dem man akzeptiert hat, dass es weder Optimum noch Perfektion gibt. Denn selbst wenn objektive Perfektion besteht (Haus im Grünen, guter Job, tolle Familie), geht das nicht zwangsläufig Hand in Hand mit subjektivem Glück und dem Empfinden, dass wirklich alles passt.


Jeden Tag meistern und dem eigenen Herzen folgen. Das Leben als Abenteuer sehen und als tollen Weg, der nur dadurch toll und spannend bleibt, das er weiter geht. Sich freuen, auf das was kommt und nicht ständig nach etwas zu hecheln, das vielleicht kommen könnte. So erspart man sich die Enttäuschung, wenn das Erwünschte doch nicht so toll ist, wie man es sich vorgestellt hat. Und das wichtigste:


Man ist tatsächlich glücklich. Jeden Tag auf der großen Abenteuerreise, die sich Leben nennt.



Freitag, 19. August 2011

Was ist "Lifestyle"?

Man liest und hört es ständig. Ganze Zeitschriften und Websites sind danach benannt und generell ist es ein Wort des 21. Jahrhunderts: Lifestyle.
Lifestyle, zu deutsch Lebensstil. Was genau soll das sein? Früher beschrieb man mit dem Wort, die Prioritäten, nach denen ein Mensch lebte. Der Unterschied zwischen "Arbeiten um zu leben" und "Leben um zu arbeiten" zum Beispiel. Das selbe Spielchen geht auch mit "Essen". Es ging darum, ob es einem Menschen im Leben um seinen Erfolg, sein Familienglück, seine Freiheit und was es noch für Ideale anzustreben gibt, geht. Dementsprechend nahm er sich viel oder wenig Zeit für die Liebsten um sich herum, verbrachte Zeit in der Arbeit und teilte sich seine Freizeit für Sport, Hobbys ein, bzw. teilte sie eben einfach gar nicht ein. Sondern lebte einfach. Laisser-fair und so.


Und jetzt?
Hören wir das Wort Lifestyle, entsteht ein buntes Wirrwarr aus den verschiedensten Dingen. Eine Art Mosaik mit Steinen der unterschiedlichsten Farben und Formen. Da wäre schon mal (das gar nicht so im Unterschied zu früher): Die Musik. Doch nicht nur typische Rollen wie "Der Punker", "Der Hardrocker", "Die Pop-Prinzessin" etc. definieren heutzutage den Musikbereich eines Lifestyles. Lifestyle meint in diesem Kontext oft, einfach up to date zu sein. Die Musik zu kennen, die gerade frisch von den Theken der Plattenläden gehen oder am besten schon vorher. Auch immer das passende Gedudel im iPod zu haben, kann Lifestyle sein. Egal ob auf dem Radel durch die Provence oder in der Berliner U-Bahn.
Viele weitere Mosaiksteine gibt es da: Filme, Fernsehen, Internetverhalten (Facebook ist fast schon ein Lifestyle für sich), Yoga oder Fitness-Center (oder die ganz coolen: beides), Handtasche oder Rucksack. 


Ein bisschen ist es so, als wäre unser Leben eine Riesenkommode. Es gibt verschiedene Schubladen und in diese packen wir das hinein, was uns gefällt. Manches in die genau in greifbarer Nähe, weil wir sie oft öffnen um uns des Inhalts zu bedienen. Manche können ruhig etwas höher oder niedriger gelagert sein. Dann müssen wir uns zwar strecken und hinknien, um dran zu kommen, aber für diese Schublade ist es uns das hin und wieder wert. Ständig misten wir aus und finden altes, heißgeliebtes ganz hinten im Eck wieder. Und manchmal pfeffern wir einfach mal den ganzen Inhalt raus, nur um nachher ein paar Dinge, die wir doch vermissen, reumutig wieder einzusammeln und genau dahin zurückzupacken, wo wir es vorher auch hatten. Was in welcher Schublade ist: Nun das kommt ganz darauf an, wie wir unser Leben unterteilen und wie wir denken. Das führt wohl jetzt zu weit.


Gleich geblieben sind in der Wortdefinition von "Lebensstil" m.E.: Abenteuerlustigkeit, Romantik und grundsätzliche Eigenschaften. Doch heutzutage ist mehr denn je die bewusste Wahl von konsumierten Medien, von Spiel, Spaß und Musik und von den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen gemeint.


Letztlich ist das wichtigste ebenso gleich geblieben: Der Lifestyle ist das, womit wir uns nach außen hin, aber auch für uns selbst, präsentieren und identifizieren. Die Tatsache, dass wir das Wort im Alltag so oft gebrauchen, zeugt nur davon: Wir beschäftigen uns wohl mehr als die Menschen damals mit unserer Selbstidentifikation. In Zeiten der Gleichberechtigung, des Internets und der Globalisierung steigen die Möglichkeiten und damit auch die Freiheiten, sein Leben aktiv zu gestalten.


Das Wort Lifestyle versucht m.E. genau das zu vereinfachen und bunt verpackt in schöne CD-Covers und hippe Möbelstücke zu vermarkten. Es ist die Suche seiner selbst in Dingen, die vielleicht zumindest einen Teil unseres Selbst repräsentieren können. Ob das nun das in selbstgebatiktem Top bekleidete, Rasta-gelcockte und Reggae-hörende "Öko"-Mädl ist oder die elegante junge Frau mit wunderschönem Sommerkleidchen, perfekt auf ungeschminkt geschminkten Gesicht und der todschicken Frisur aus der neuen Zeitschrift. Der Lifestyle ist nach außen hin klar erkennbar. Selbst Getränke, ja sogar verschiedene Wassermarken, Kaugummisorten und beinahe alles kann einen Teil des Mosaikbildes ausmachen. Den "Lifestyle"-Trend lassen sich Marketingabteilungen selbstredend nichts entgehen.


Doch fern des Kommerzgedankens: Je mehr Musik auf dem iPod wohl durchdacht dort drauf geladen wurde, weil wir uns darin wohl und zuhause fühlen. Je mehr Kleidungsstücke in unserem Kleiderschrank nicht aufgrund eines kurzlebigen Trends sondern weil sie uns genau so darstellen, wie wir sind und/oder sein wollen. Und je seltener wir andere in ihrem Verhalten, ihrem Geschmack und ähnlichem kopieren: Desto mehr haben wir ihn gefunden.


Unseren Lifestyle.

Dienstag, 16. August 2011

Von imaginären Freunden und parasozialen Beziehungen

Man kennt sie, man liebt sie... und fühlt sich mitunter sogar sehr mit ihnen verbunden. Die Rede ist hier nicht etwa von Familie und Freunden sondern Personen in Sendungen, Serien, Filmen, sogar Musiker und Sänger. „Kennen ja, aber verbunden fühlen?!“, mag nun die berechtigt skeptische Frage sein. Doch denken Sie mal nach. In vielen Momenten trösteten die Charaktere in Serien und die einfühlsame Stimme eines sensiblen zart klingenden Sängers in einer schönen Ballade. Und so oft konnte man Wut und Tränen so richtig zu einem geladenen Song voller Emotionen herauslassen. Statt sofort die beste Freundin/ den besten Freund anzurufen greifen viele Menschen zuerst zu iPod oder etwaiges Medium wie Computer oder CD-Player, um sich in die Musik, die ihnen für den Moment passend erscheint, zu vertiefen. Wenn wir verletzt wurden und/oder durch eine schwere Situation gehen, ist man es nämlich oft erst mal selbst ganz allein, der fertig werden muss mit dem Problem. Andere können helfen, aber erst wenn wir selbst so weit sind, uns anderen gegenüber zu öffnen. Bis dahin leisten Lieblingsbands und starke Musik wahre Dienste. Zwar weiß man, dass es Quatsch ist, aber in manchen Momenten hat man doch das Gefühl, der Interpret, der da so voller Leidenschaft direkt in unser Herz musiziert, versteht uns. Und zwar ganz genau. Er tröstet einen und nimmt einen musikalisch und verbal in den Arm. Warme Gefühle steigen auf und man spürt eine Verbundenheit zum Lied und dessen Künstler. Fast schon absurd erscheint der Gedanke, dass der Sänger in Wahrheit entweder tot ist oder sich nichts ahnend und in Wahrheit in Norwegen, England oder Australien schwadroniert. Und mit Sicherheit an vieles denkt, nur nicht an uns, denn er kennt uns nicht. Aber daran denkt man dann ja auch gar nicht.


Trost nach Plan
Befindet man sich schon in einer Phase, in der man die Krisensituation zumindest halbwegs verdaut hat oder aber auch einfach nur so, gibt es wenig was so aufheitert wie die eigene Lieblingsserie. Die Charaktere kennt man und verhalten sich genau einschätzbar (unter anderem weil man alle Staffeln und Episoden gefühlte dreimillionenmal gesehen hat). Elliot aus Scrubs, die mit ihrer tappsigen Art es immer nicht so richtig schafft, ernst genommen zu werden. Lennard aus Big Bang Theory, der die sympatische Schnittstelle aus Nerd und bestem Kumpel von nebenan mit durchaus normalen Seiten verkörpert. Billige Charaktere gibt es viele, aber genauso auch viele gut gezeichnete und schlau durchdachte, authentische aus der Schmiede von Serien und co. Nicht zuletzt wegen ihnen greift man letztlich ja doch zu Fernbedienung, Computer oder DVD-Player. Wie gute Freunde fühlen sie sich mittlerweile an, soviel Zeit wie man mittlerweile schon mit ihnen verbracht hat. Man hat mit ihnen geweint, gelacht und ist gemeinsam durch dick und dünn gegangen.


Den gibt's ja auch in echt!
Wahrscheinlich macht das für viele auch die Faszination hinter den Schauspielern und Sängern in Musik, Film und Fernsehen, das sich einen solchen Weg in unser Herz gebannt hat.Wie ist die Person wirklich? Fasziniert ist es wie, als ob eine Glühbirne kurz aufblinkt. „Ach stimmt ja, den gibt’s ja auch in echt! Und da ist der ja gar kein Wissenschaftler.“ Sondern Schauspieler. Und hat oft gar nicht so viel gemeinsam mit der Figur, die er verkörpert. Die „Beziehung“ hegen wir also ganz klar zu der Figur in der Serie, nicht zu dem Typie da, der so ausschaut wie unser Liebling, er aber nicht IST.


Krank?
Die Frage die nun aufkommt: Ist das krank? Eine Beziehung zu jemandem zu hegen und Gefühle positivster Art zu hegen für jemanden, den es noch nicht mal wirklich GIBT? Der Aus der Feder eines Drehbuches entsprungen ist oder der einfach nur eine tolle Stimme hat/ Gitarre spielen kann und damit super Musik fabriziert?
Ich denke: nö. Es ist immer gut zu wissen, womit man sich in schweren Situationen trösten kann oder einfach Spaß haben kann. Menschen sind Gewohnheitstiere und dass sie immer wieder zum selben greifen, das sie jedes mal glücklich macht, ist ja wohl das normalste der Welt. Solange die Figuren in Lieblingsmusik und -Serien nicht die wahren Freunde ersetzen oder einziger Zufluchtsort werden, ist alles in Butter. Ob man sich nun mit Schokopralinen oder einer Figur aus einer Serie beschäftigt, die sich bereits anfühlt wie ein guter alter Freund: Es spielt doch keine Rolle.

Genießen Sie also Ihre Musik und haben Sie den Interpreten so richtig lieb, der sich da so aufopferungsvoll um sie kümmert und lachen Sie gemeinsam mit Ihrem Lieblingscharakter aus der heiß und innig geliebten Serie.

Denn: Gute Laune ist immer gut!

Mittwoch, 10. August 2011

Die beruhigende Kraft der Nerds

Sie mausert sich immer mehr zur absoluten Kultserie: Big Bang Theory. Es geht um vier ziemlich abgedrehte Nerds, jeder auf seine Weise, und ein blondes Mädl namens Penny, die nebenan einzieht. Klingt soweit ziemlich anders als Sex and the City, How I Met Your Mother und Grey's Anatomy. Statt aber wie andere stark von der Norm abweichende Serien irgendwo aus der Reihe zu tanzen, steppt die Sitcom mitten auf der Tanzfläche der Einschaltquoten.


Warum? Dazu habe ich meine eigenen Theorien.
In vielen Sendungen geht es vor allem um eins: zwischenmenschliche Beziehungen mit all ihren Feinheiten und Tücken. Hier werden Intrigen gespinnt, dort ein dunkles Geheimnis bewahrt und überhaupt: Ständig scheint irgendwas Dramatisches zu passieren. Dabei verhalten sich diese Serienhandlungen ein bisschen wie unser heutiges Leben: Denn auch wir wandeln immer mehr in Unsicherheiten. Früher gab es eine relativ klare Rollenverteilung für Männer und Frauen, heute weiß keiner mehr so genau, wann er sich benachteiligt fühlen sollte. Vaterschaftsurlaub und androgyne Kleidung lassen grüßen. Das ist natürlich nichts schlechtes, doch: Es wirft jede Menge Unsicherheiten auf.
Auch wenn es um das alltägliche Leben geht, gibt es genug Herausforderungen. Speziell was Oberflächlichkeiten angeht, hat man in der heutigen Freizeitgesellschaft jede Menge Spielraum, sich in die verschiedensten Themen hineinzusteigern. Da wäre das Thema Diäten, bei denen abwechselnd der Muskelaufbau und der Fettabbau begünstigt werden. Da wäre auch das Thema Schönheits-OPs, díe in vielen Ländern schon lange kein Tabu mehr sind. Kleidung, Verhalten, Körper, Gesicht: Wer sich einmal auf gesellschaftliche Zwänge einlässt, hat sich echt ziemlich was eingebrockt.


Da kommt aufeinmal eine Gruppe von Jungs und Mädls daher, die so ziemlich alles tun aber eines nicht: in die Gesellschaft passen. Ob es daran liegt, dass sie sich nicht anpassen wollen oder es schlichtweg nicht können, ist sicher von Fall zu Fall unterschiedlich, aber eins haben sie gemeinsam: Sie sind echte Individualisten.


Statt an Schönheitsideale und vorgefertigte Verhaltensmuster, glauben sie an die Wissenschaft. Und Computerspiele, Programmiertechniken, Insekten und was auch immer ihr spezielles "Nerd-Interessensgebiet" ist. Geerdet und gesichert sind sie in diesen Metiers, denn dort kennen sie sich aus. Es verändert sich nichts und wenn doch, wissen sie über entsprechende Fachzeitschriften sofort darüber Bescheid. Wenn die Gesellschaft einen erstmal "verstoßen" hat, will heißen, die Mehrheit der Leute einen für "seltsam" erklärt hat, fällt auch einiges an Last weg. Man muss sich erst gar nicht mehr bemühen, sich anzupassen und den anstrengenden Ansprüchen einer Gesellschaft zu entsprechen, die sich scheinbar sowieso nie entscheiden kann und heute das und morgen genau das Gegenteil bevorzugt.


Geerdetes Wissen, knallharte und beweisbare Fakten und die Freiheit, einfach man selbst zu sein. Das ist das, was "Big Bang Theory" und alle Nerds dieser Welt für mich verkörpern und ausstrahlen, von daher kann ich nur sagen: Nerds sind in Wahrheit die echten Vorbilder unserer Gesellschaft. Sie tun was sie gut können und lassen, was eben nicht in ihrem Fähigkeitsbereich liegt. Sie lassen sich nicht vorschreiben, was sie zu denken, wie sie sich zu kleiden und womit sie sich zu beschäftigen haben.


Nerds, ihr rockt!

Samstag, 6. August 2011

Foren oder: Das kollektive Reinsteigern

Wer früher ein Problem hatte, fragte im Bekanntenkreis herum, ob ihm denn jemand helfen könne. Wer heute ein Problem hat, geht ins Internet. Während bei medizinischen Fragen ganz klar zu bezweifeln ist, dass die anonyme Mehrheit aller Forenuser tatsächlich über entsprechende Fachkompetenz verfügt, um diese zu beantworten, möchte ich einen Schritt weiter gehen. Ich behaupte: Auch bei anderweitigen Problemen sollte man sich sehr genau überlegen, sie im Internet mit anonymen Usern zu diskutieren.


Das fängt schon bei der Google-Eingabe an. Kaum ein Stichwort, auf das nicht schon bald genau die Art von Beiträgen, Seiten und Foren auftaucht, die man sich bereits erwartet hat. Denn: Man ist von vorneherein schon sehr fokussiert auf der Suche. Nach was? Im Prinzip nach dem, was man eh schon vermutet. Da wäre eine Anna Maier (willkürlich gewählt, ich kenne keine Anna Maier), die fragt, ob sie im reifen Alter von 14 Jahren nicht schon mehr als BH-Größe A haben sollte. Oder Willi Wunderlich, der gerne mit dem World-of-Warcraft-Zocken aufhören würde, aber nicht so genau weiß, wie.
Was zunächst nach einer guten Idee klingt, nämlich sich gegenseitig zu helfen und mit eigenen Lebenserfahrungen weiterzubringen, endet in der Praxis leider oft nicht in Hilfe zur Selbsthilfe sondern in einem kollektiven Hineinsteigern.


"Ja das Problem habe ich auch! Mir hat man damals gesagt, ich soll einfach öfter ins real life gehn. Hat aber irgendwie nicht geklappt", wäre eine der typischen Antworten auf die man stößt. Auch Anstöße wie "Süße134, ich leide mit dir! Du könntest ja mal versuchen, dir Watte in den BH zu stopfen :) Bussis und Knuddel" (wohlbemerkt von einer unbekannten) erscheinen wenig hilfreich. Meistens ist der eigene Hausverstand um einiges sinnvoller, als das was da viele so als Weisheiten und "Lösungen" von sich geben.


Der Clue, bzw. auch die Krux hinter der Sache: Austausch ist m.E. nur dann wirklich sinnvoll, wenn einer der beiden Seiten zumindest auch nur minimalst weitere Erkenntnisse im Problembereich gesammelt hat. Oder aber auf andere Weise inspirieren kann. Ersteres taucht tatsächlich ab und zu in wirklich guten Forenantworten auf. Leider in einem verschwindend kleinem Prozentteil im Vergleich zu den eher recht sinn- und nutzlosen Posts. Statt eine Lösung zu finden, können sich Leidesgenossen also nach Herzenslust in Schönheits-, Gesundheits- und was-auch-immer-Probleme hineinsteigern. Um am Ende nicht nur keinen Schritt weiter zu sein, sondern im schlimmstenfall auch um Ideen "bereichert", wie man das Problem noch ausweiten und vertieft betrachten könnte. Ganz nach dem Motto: "Stimmt, das ist ja auch schlecht dran! Gut, dass Susi956 mich drauf aufmerksam gemacht hat. Ohgott, ich muss das Problem lösen! Schnell!"


Und wie jetzt lösen? Mein Tipp: Raus gehen. An was anderes denken, nicht krampfhaft, aber wohlwollend. Mal rumprobieren. Und ganz normal mit Leuten zu tun haben, die eben NICHTS mit dem Problem zu tun haben. Oftmals ist eine Sorge nur deswegen eine Sorge, weil wir ihr zuviel Macht und Bedeutung verleihen. Weil wir viel zu viel an sie denken und sie schlimmstenfalls immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens wird.  Falls es sich um gesundheitliche Fragen handelt, empfiehlt sich selbstverständlich ein Besuch beim Arzt. Für das meiste andere gilt:


Einfach leben und die Gedanken frei fließen lassen. Sorgen akzeptieren, aber sie nicht unnötig füttern.
Ein paar Wochen und viele Erfahrungen, Erlebnisse und Gedanken später, merkt man, das man das laute "Blopp" garnicht gehört hat. Denn es fühlt sich plötzlich so leicht an und man spürt: das war der Moment, an der sich das Problem ganz von selbst aufgelöst hat.

Donnerstag, 4. August 2011

Körper, wer bist du?

Kopfschmerzen, Rückenprobleme und Übergewicht: unschön, einen Artikel mit diesen drei Beschwerden einzuleiten. Noch unschöner, dass es in der heutigen Zeit leider der Alltag vieler Menschen ist. Denn sie sind typische Probleme einer digitalisierten und technisierten Welt.

Beinahe alles geht heutzutage am Computer, online oder auf irgendeine Weise durch elektronische Helferlinge vereinfacht und mit wenig Mühen verbunden. Auch rein technische Geräte erleichtern seit Jahrhunderten immer mehr unsere alltäglichen Aufgaben. Was einst mühsam mit der Hand gewaschen und geschrubbt werden musste, erledigt heute die Wasch- oder Spülmaschine. Statt etwas einzustampfen und mühsam zu Brei zu verarbeiten, gibt es Mixer, die alles in handumdrehen zerhechselt haben. Und das sind nur die Haushaltsgeräte.

Auch im Beruf finden sich viele seit mehreren Jahrzehnten vermehrt vor einem Computerbildschirm wieder. Es wird auf Tastaturen getippt, in krummer Haltung dagesessen und meist auch zu wenig getrunken und zu wenig/ zu viel gegessen. Weder Hunger- noch Durstgefühl treten auf, wenn man nur so da sitzt, ohne sich den gesamten Tag über groß körperlich zu bewegen.


Die Körperwahrnehmung geht flöten
Das Problem an den Ganzen: man verliert den Bezug zum eigenen Körper. Man spürt weder warm noch kalt. Man hat keine Ahnung, wie sich der kleine Zeh anfühlt und was genau sich da eigentlich grad in unseren Organen abspielt, das will man eigentlich auch gar nicht wissen. Woher diese seltsamen Magendarmbeschwerden nur stammen?

Es mag arg klischehaft klingen, doch dennoch: Gehen wir mal zurück in lange lange vergangene Zeiten. Die Menschen arbeiteten hart. Frauen hatten weite Wege zurückzulegen, um Wasser aus dem Brunnen zu holen und große Anstrengungen, die sechs Kinder ohne Nanny, Kita und Aupair-Mädchen großzuziehen. Der Mann ging einem Handwerk nach, hämmerte den ganzen Tag auf heißem Eisen oder aber war Bauer und bestellte das Feld. Alle hatten sie eins gemeinsam: Sie waren aktiv, bewegten sich viel und hatten ständig etwas in der Hand, das mit Computermaus und Tastatur nicht im Entferntesten etwas zu tun hatte.

Natürlich möchte ich hier nicht dafür plädieren, wir sollten uns doch bitte alle wieder zurückentwickeln und unsere technischen Errungenschaften auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Stattdessen: Wie wäre es mit dem Mittelweg? Das Problem für viele heutzutage ist, dass sie mit Bewegung und Anstrengung nur mehr das Abrackern an Trainingsgeräten im Fitnesscenter verbinden. Ziel? Muskelaufbau! Abnehmen! Sonstiger Sinn? Keiner. Spaß? Wenn man sich daran gewöhnt hat, schon. Ich will den Fitnesscenter-Trend nicht unnötig in den Dreck ziehen, doch zahlreiche Mitgliedschaften, die zwar bezahlt aber nicht genutzt werden sowie Erfahrungsberichte von Familie, Freunden und Bekannten geben mir Recht.

Was fehlt ist einfach der Bezug zu etwas "Echtem". Die Höhe spüren und die Rinde an den Fingern, wenn man einen Baum hinaufklettert. Kühles Wasser, mit dem man beim Schwimmen eins wird und in das man eintauchen kann. Das wunderbare Gefühl, nach einem Spaziergang an einem kalten Winternachmittag wieder frisch durchblutet und körperlich ausgelastet in die warme Stube zu kommen.

Das Zauberwort heißt: Nein, nicht Freude an Bewegung, das wäre selbst mir jetzt zu klischehaft. Das Zauberwort heißt einfach: Natürlich sein. Ruhig sitzen, wenn der Körper ruhig sitzen möchte. Und aber auch spüren, wenn er hinaus möchte. Und nicht immer gleich ans zu zielgerichtete "Sporteln" denken, sondern einfach nur etwas tun. Das ist schon dann getan, wenn man sich draußen etwas anpflanzt und mit den Fingern in der Erde buddelt. Gemüse auf einem Brett kleinhackt, um endlich mal wieder etwas selber zu kochen statt in der Mikrowelle aufzuwärmen. Vielleicht etwas nähen, stricken, schnitzen, basteln. "Back to the roots" lautet das Stichwort. Denn was sich dann vor allem bewegt ist der Geist und mit ihm auch die gesunde Körperwahrnehmung.


Raus mit dir!
Ich habe zwar schon einmal darüber geschrieben, dass den Sinnesorganen in Zeiten der Digitalisierung immer mehr verloren gehen könnte. Doch damals ging es mir um Genüsse.

Hier möchte ich jedem, der sich einmal an einem Crosstrainer abgestrampelt hat und sich wundert, wieso er nicht permanent Lust hat, das gleich wieder zu tun, nahe legen:
Gehen Sie raus an die frische Luft, nur für ein paar Minuten, um sich die Beine zu vertreten und bewusst die Gegend anzuschauen.
Sie werden überrascht sein.