Dienstag, 18. September 2012

Warum reisen?


Warum sollten Menschen reisen. Das ist eine Frage, mit der ich mich oft und viel beschäftige. Unter anderem deswegen, weil ich zwar wahnsinnig gerne reise, aber das Leben letztlich oft anders läuft. Es gibt die einen, die scheinen ständig auf Achse. Gestern New York, heute Madrid und morgen gehts auf nach Tokyo. Oft sind das diejenigen, die sich es halt auch leisten können und deren Absichten sind gerne durchaus konsumbedingt.

Es gibt welche, die leben quasi nur noch im VW-Bus oder aus dem Rucksack. Ich habe sie getroffen und sie haben mich gleichwohl verzaubert wie auch verwirrt. Seit Jahren sind sie unterwegs, bleiben hier mal einen Monat, arbeiten dort ein paar Wochen, könnten sich auch manchmal kurzzeitig vorstellen, sesshaft zu werden. Doch dann zieht es sie weiter wie der Wind Marry Poppins, wenn sie den Schirm aufspannt. Trägt sie zu neuen Orten, neuen Menschen und neuen Erlebnissen. Neuen Erkenntnissen?

Es gibt dann noch solche, die Reisen überhaupt nicht interessiert. Sie machen ihr Ding, arbeiten wahlweise an Studium, Ausbildung  oder sitzen bereits sattelfest im Beruf, verdienen ihre Brötchen, treiben ihre Hobbys, haben ihre Freunde und sind glücklich. Sollte das jetzt zynisch klingen oder gar herablassend, dann ist das wirklich nicht meine Absicht. Denn wer vom Leben mehr erwartet, als glücklich und zufrieden zu sein, dem tun sich ganz neue Probleme auf. Wer also einfach friedlich alles wie es ist genießen kann, der kann sich von wahrem Glück schätzen.

Natürlich ist das jetzt alles sehr oberflächlich und stark in Schubladen gepresst formuliert und letztlich ist jeder individuell, eh klar. Es handelt sich bei den Beschreibungen ja nicht um Und-so-wird-es-für-immer-bleiben-Zustände.

Doch auch mein Verhaltensmuster beim Reisen beobachte ich bei vielen anderen. Grundsätzlich  ist man mehr als interessiert, nahezu begeistert, wenn man auch nur irgendwie der Perspektive des Reisens über den Weg läuft. Sei es auf einem Plakat, in einer Broschüre oder in den Erzählungen von Freunden. Grundsätzlich hört man nicht auf, von Abenteuern mit dem Rucksack auf dem Rücken zu träumen, von fremden Kulturen, von schrägen, schönen, tollen und schaurigen Momenten, ja sogar von Kulturschock und vom Eingeschüchtertsein. Eine wilde Sehnsucht, wie das vielleicht der Mensch damals nach dem Fliegen empfand. Und dann erfand er das Flugzeug. Grundsätzlich wäre man ja schon viel rumgekommen. Wenn es da nicht immer das Wenn-und-aber gäbe. Mal passt es nicht ins Leben, mal passt es nicht in die Stimmung und dann wieder kommt es einem doch unnötig vor.

Mir ist jetzt denke ich eins klar geworden: Reisen ist wichtig. Zumindest für mich. Ich kann reisen und ich sollte reisen. Dass es den Horrizont erweitert, dass man so viel Schönes sieht und erlebt und vieles, das einen auf ganze neue Gedanken bringt. Dass man Faszinierendes erlebt und so viel für immer im Schatzkästchen der Erinnerungen aufbewahren darf. Allein schon das wären alles gute Gründe, doch es nicht meiner.

Genau wie Mary Poppins ihren Schirm aufspannt, bereit, wo anders wieder ihre Füße auf Boden zu setzen und dort weiter zu gehen, möchte auch ich das tun. Immer und immer wieder. Man lebt sein Leben und das ist in Ordnung so, doch wenn man nicht aufpasst, dann schläft man ein. Man sieht immer weniger von dem, was um einen passiert. Man erkennt die eigenen Perspektiven nicht mehr. Träumt vor sich hin, doch packt kaum etwas Neues an, einfach aus Gewohnheit. Es passt, wies passt und das kann einlullen.
Für mich war es erneut eine wichtige Erfahrung zu verreisen. Nicht  nur lernt man über sich selber, auch gibt es die Chance, alles mal zu betrachten, was man bisher so angestellt hat. In Ruhe und ganz weit weg.

Es ist die Chance, das Leben immer wieder neu zu sehen. Ein bisschen, wie es Metallica in ihrem weit bekannten "Nothing Else Matters" beschreiben: "Trust I seek and I find in you. Every day for us something new. Open mind for a different view and nothing else matters." Nur geht es für mich in dem Lied nicht um Vertrauen in einen Menschen, sondern Vertrauen in das Leben. Dass das Leben so viele Geschichten bereit hält, die es wert sind, zu erkunden.

Ich freue mich auf die nächste.

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