Dienstag, 13. Dezember 2011

PC-Getippe: Ist das unsere Zukunft?

Die digitale Welt, in der wir leben. Egal ob es um den Aufbau einer Zeitung geht, Skizzen für Modedesigns oder um die bürokratische Verwaltung: Der liebe Herr Computer ist allgegenwärtig. Handwerkliche Berufe nehmen ab, Massenherstellung in Manufakturen nehmen zu und das was für den Menschen an Tätigkeit übrig bleibt ist: Die Computerarbeit. Bringt diese, besonders für eher Gemütlichkeits-orientierte Bewohner, durchaus Vorteile mit sich (wenig Anstrengung, kann sich den Arbeitsplatz schön und angenehm gestalten, am PC ist alles schön übersichtlich (zumindest übersichtlicher als Papierkrieg Locher gegen Schere.)).
Aber ist das wirklich unsere Zukunft?

Nicht nur der Computer ist ein allgegenwärtiger Begleiter des 21. Jahrhunderts, sondern auch: Die Depressionen. Burnout. Überforderung aufgrund von Unterforderung. Klingt eigenartig? Ist es nicht.
"Also der Beethoven hatte jedenfalls keinen Burnout", meinte neulich ein guter Freund von mir und hat damit die Rädchen in meinem Kopf zum heftigen Rotieren gebracht. Hatte er wirklich nicht, zumindest weiß man nichts davon. Es erscheint aber durchaus schlüssig.  Denn: Was hat Herr Beethoven gemacht? Saß er am PC und rackerte vor sich hin, an Dingen, die eigentlich zu abstrakt für sein Denken waren und immer mit den selben (mit wenig Bewegungen verbundenen), fast schon maschinellen Getippe und Gestarre auf den Bildschirm? Nein. Er klimperte auf dem Klavier. Er schrieb dann wahrscheinlich hektisch ein paar Noten auf. Machte vielleicht einen Spaziergang oder etwas anderes, bei dem er sich sammeln konnte, um sich inspirieren zu lassen und seine Gedanken und Ideen zu ordnen. Und setzte sich wieder an sein Werk. Die Leidenschaft begleitete ihn sicher auf all seinen musikalischen Wegen.

Aber gut, Beethoven war meines Erachtens ein Genie und kaum jemand kann sich mit ihm gleichsetzen. Dann nehmen wir mal die "einfacheren" Leute (ohne tatsächlich ihren tatsächlichen Intellekt, lediglich ihr tägliches Handwerk darzulegen): Schreiner, Schneider, Bäcker, Bauer. Einzige Gemeinsamkeit: Sie haben mit "echten" Dingen zu tun. Und folgen somit um einiges mehr dem, was uns evolutorisch in die Wiege gelegt wurde.
Wäre die Evolution schneller, würde das Herzen des Menschen aufgehen, sobald er ein pdf-File oder gar - oh Freude! - eine Excel-Tabelle vor sich hat. Er würde es lieben abstrakte Skizzen zu entwerfen, die sein Verstand zwar nicht wirklich fassen kann, die er aber gelernt hat, dennoch zu bearbeiten. Er bräuchte nichts zum Anfassen, denn sein Gehirn wäre instinktiv auf das fokussiert, was da vor ihm auf dem Bildschirm läuft.

Aber die Evolution ist langsam. Die fett-triefende Pizza schmeckt noch immer so gut, weil der Körper darauf gepolt ist, möglichst viele Kalorien zu sich zu nehmen, um im Zweifelsfalle genug Reserve zu haben. Ungeachtet der Tatsache, dass eben dieser Zweifels-Reservebedarf-Fall im Leben desjenigen vielleicht oder sogar wahrscheinlich nie eintreten wird. Die Menschen wollen noch immer Sex, selbst wenn sie eigentlich keine Kinder möchten.
Und sie sind meines Erachtens noch immer unbewusst überfordert davon, den ganzen Tag vorm Rechner zu sitzen. Dass aber genau so der Alltag einiger aussieht, führt eben meines Erachtens zu genau den typischen Symptomen unserer Zeit: Unzufriedenheit, depressive Verstimmungen. Man "verlernt" seinen eigenen Körper kennen, sitzt man den lieben langen Tag da. Ein paar präventive Yogaübungen und das individuelle Sportprogramm des Einzelnen können durchaus vorbeugen und helfen. Doch es ist ja nicht so, als würde man sich nicht anstrengen. Die Anstrengung am Computer und generell beim Denken, Entwerfen, Konstruieren und eben alles, was nicht von Hand geht geht zwar nicht auf die Muskeln aber: Aufs Gehirn. Es ist verdammt belastend, sich auf längere Zeit zu konzentrieren. Erfolgserlebnisse? Nur sehr abstrakt und dadurch, zumindest für unsere "ureigenen" Sinne, die auch entsprechende Glückshormone herbeirufen würden, nicht so verwertbar, wie Erfolgserlebnisse im "echten Leben". Der Mensch ist viel einfacher, als er es heutzutage gerne wäre: Wenn er etwas fertiges sieht, das er gemacht hat, freut er sich. Daten lassen sich nicht anfassen und ihre Natur entspricht nicht der unseren. Egal wie lange man an etwas geschrieben hat; stürzt der Computer ab, ist alles weg. Das soll ein Gehirn mal begreifen.
"Innere Erschöpfung" nennt man in der Fachsprache den Zustand, in den wir uns derzeit viel zu oft selbst führen, indem wir uns vom Handwerker zum Programmierer von Maschinen entwickelt haben.

Liegt hier unsere Zukunft?
Ich glaube nicht.
Man wird Lösungen finden. Wege, wie wir lernen werden, uns körperlich und geistig zu betätigen, ohne dabei auf intellektuellen Anspruch verzichten zu müssen. Ist die Wii ein erster Anfang, derzeit noch rein auf Spiel und Spaß ausgelegt? Vielleicht, das kann man nicht wissen.

Im Büro im Jahre 2100 hüpfen die Leute vielleicht in ihrem Büro herum, um über Bewegung ihre Ideen auf virutellen Riesenflächen zu skizzieren. Sie werden vielleicht mit 3D-Brillen durch Städte laufen, um dort die Skizzen für künftige architektonische Bauwerke zu entwerfen.

Was auch immer der Mensch sich noch so einfallen lässt, er wird letztlich seinen Wurzeln folgen.
Es bleibt spannend, soviel ist sicher.

Mittwoch, 23. November 2011

Freunde-Finden leicht gemacht?

Ich bin verwirrt. Manchmal scheint es, als hätten sich die Zeiten schneller gewandelt, als wir mitdenken können. Gutes Beispiel: Freunde finden. Ich kann mir vorstellen, dass man sich früher wirklich schwer getan hat, wenn man umgezogen ist. Ok, während die einen sofort von einem Universitäts-Stundenplan nahtlos eingenommen und diversen Kommilitonen/innen in die Arme geschlossen wurden, hatten es manche vielleicht nicht so einfach: Die, mit einem Job ohne sonderlich vieler Gleichaltrigen. Die, die nicht am liebsten jeden Abend fortgehen, um sich an der nächstgelegenen Bar mal eben ein paar Saufkumpanen zu erwerben.

Folgt man der Internet- bzw. Vernetzungslogik und dem Geiste unserer Zeit, ist das alles kein Problem mehr: Diverse Portale, allen voran möchte ich hier einmal Couchsurfing.org erwähnen, schaffen Abhilfe. Zumindest ist das das Ziel dieser Internetcommunities. Während man sich früher vielleicht noch eher zu sehr in Internetfreundschaften verstrickt und damit ein wenig die Realität ausgeblendet hat (diverse Online-Roleplaygames wie WoW lassen grüßen), dienen diese Portale einem ganz anderen Zweck: Reine Vermittlung für das sogenannte "Real Life". Es lassen sich Treffen arrangieren und sogar ganze Reisen, bei denen man bei anderen übernachten kann. Ebenso kann man Leute "hosten", will heißen, ihnen ein nettes Schlafplätzchen bieten.
Ist das nicht toll?

Ja und genau an dieser Stelle bin ich verwirrt: Ist es toll? Die Idee grundsätzlich: Auf jeden Fall. Meine Erfahrungen damit bisher: Ebenfalls. Meistens.
Doch das liegt vielleicht daran, dass ich trotz Fröhlichkeit und Optimismus eine gewisse Skepsis in mir trage. "Have a coffee" steht in meinem Profil, bedeutet: bei mir kann man nicht übernachten. Das liegt nicht daran, dass ich keine Gäste mögen würde. Vielleicht ein bisschen an der Größe unserer Wohnung (nicht groß). Primär aber bin ich leider altmodisch:
Ich kenn den doch garnicht.

Denn hier, genau hier, weiß ich nicht: Ist das jetzt so, kann in der heutigen Zeit einfach jeder mit jedem? Sich treffen, bei einander schlafen, Dinge zusammen unternehmen?
Früher knüpfte man Freundschaften und investierte viel Zeit und Mühe, um Menschen zu finden, die zu einem passen. Erübrigt sich das heute?
Das klingt nun wieder skeptischer, als es gemeint ist. Ich bin mir einfach nicht sicher. Wie aufgeschlossen muss, sollte oder darf man sein? Ist es naiv oder ist es "openminded", jemand Fremden bei sich aufzunehmen und Zimmer, Bad und Kühlschrank mit ihm für zwei Nächte und zwei Tage zu teilen?
Ist das die neue Form, Freundschaften entstehen zu lassen?

Ich muss sagen, meine besten Freunde habe ich primär so kennen gelernt, wie eh und je, wie schon unsere Eltern, Großeltern und alle vor uns:
durch das Leben. Durch die gleiche Theatergruppe, Universität, Sportkurse oder sogar im Supermarkt. Und dann eben über Freundesfreunde.
Letztlich ist es wohl wie beim Verlieben: Da muss ein bestimmter Funke überspringen, bei dem zwei Menschen merken: Hey du und ich, wir könnten echt Freunde werden! Und solang man nicht zu viel von Internetcommunities erwartet, kann sowas natürlich auch dadurch entstehen. Kann aber meines Erachtens genauso wenig erzwungen werden. Für mich wäre es jedenfalls keine idiotensichere Methode, Leute zu finden, die zu mir passen. Da hat das Leben einfach noch ein zu großes Wörtchen mitzureden. Und die Chemie. Und eben alles. Nur nicht die rationale Entscheidung "Ich such Freund, du suchst Freund, Folgerung: Lass uns Freunde sein!"

Gibt es einen RICHTIGEN Weg, Freunde zu finden?
Wahrscheinlich nicht. Denn sobald man sagen kann "Ähm woher kennen wir uns nochmal? Hm ich weiß garnicht mehr GANZ genau... wie war das überhaupt nochmal ohne ihn/sie?"

Da weiß man: Das ist ein wahrer Freund geworden, ein Teil des eigenen Lebens. Wie auch immer.

Montag, 14. November 2011

Wann ist "irgendwann mal"?

"Das müssen wir unbedingt mal machen." Kommt Ihnen der Satz bekannt vor? Mir auch. Im Laufe der Zeit sammelt sich eine Menge an, das in diesem Moment aus welchen Gründen auch immer nicht machbar ist, aber auf jeden Fall mal gemacht werden will. Sei es der Kochabend mit Freunden, gemeinsam zum Yoga zu gehen oder eine Reise. Manches macht man tatsächlich und manches.. nicht. Man träumt gerne vor sich hin und egal ob gemeinsam oder allein: Dinge, die wir irgendwann einmal gerne tun möchten, können den Tag durchaus erhellen. Eben weil man noch so viel tolle Möglichkeiten hat, noch soviel, worauf man sich freuen kann.


Doch manche sehen es anders: Man will, aber man macht einfach nicht. Weil es da einen inneren Schweinehund gibt, der Abwechslung, Neues und den Aufwand, den das bedarf, einfach nicht mag. Er möchte gern in seiner Hütte bleiben. Die kennt er, da weiß er auch, dass ihm nichts passiert.


Zwar erleben erstere Dinge, die man "irgendwann mal tun möchte" schon im ungetanen Zustand positiver, als die chronisch Unzufriedenen mit dem Ist-Zustand. Doch beiden muss man die Frage stellen:
Wann ist denn irgendwann?


Es ist absolut legitim und schön, einfach nur Träume zu haben, die niemals wahr werden müssen (siehe Blogpost "Müssen Träume wirklich wahr werden?"). Doch irgendwo ist da ein recht schmaler Grat: Die Grenze zwischen Traumtänzeranien und Hättichdochnur-Land. Wenn man immer alles auf die lange Kante schiebt und auf den "richtigen Moment" wartet wird vielleicht irgendwann sehr überrascht sein: Dieser ominöse "richtige Moment" ist mit Sicherheit existent. Nur nicht unbedingt für uns sichtbar. Auf uns könnte es gemeinhin so erscheinen, als träte der "richtige Moment" leider eher selten in unser Leben. In Wahrheit erkennt man ihn wohl meistens erst nachdem man etwas gemacht hat. Unsicher, ob es richtig ist, Sprung ins kalte Wasser und dann die Erkenntnis: "Aha! Ich musste es einfach ausprobieren. Es einfach MACHEN."


Welche Ihrer Träume Sie wahr machen wollen und welche Punkte sie endlich von der "Wanna Do"-List streichen wollen, entscheiden Sie letztlich selbst. Doch kaum etwas befriedigt so, wie sich einen lang gehegten Wunsch endlich zu erfüllen. Ein Projekt endlich anzugehen.


Denn in diesem Moment packen Sie ihr Leben an. Viel Spaß!

Donnerstag, 10. November 2011

Die rote Ampel

Es war einmal eine grüne Ampel. Sie begann schon zu blinken, um zu signalisieren, dass sie bald wieder auf rot schalten würde. Ich hatte keine Lust zu rennen, also ging ich gemütlich dorthin und: Sie war rot, als ich ankam. Ich wartete eine Weile, bis sie wieder grün wurde und dieses Mal konnte ich in Ruhe die Straße überqueren.
Anders als eine junge Frau im Business-Look (Schickes Kostüm, teure Lederhandtasche, perfekt gestylte Frisur und jede Menge Makeup). Diese hätte sich wohl fast entweder das Bein oder den Absatz (oder beide gebrochen) als sie mit den, zum Rennen denkbar ungeeigneten, weil recht hohen, recht dünn-absätzigen, High-Heels los sprintete, um ja auch genau diese Ampel überqueren zu können.
Nur lustig: Wir hatten den selben Weg und spätestens fünf Minuten nach der Ampel waren wir wieder auf selber Höhe.


Ich gebe zu, es gibt sicher spannendere, anregendere und schönere Geschichten als diese. Aber diese Situation hat mich zum Nachdenken gebracht. Über Ampeln, über Zeit und darüber, wie wir unser Leben leben. Die Frage, die sich stellt ist irgendwie:
Soll man rennen, um sich Ampeln anzupassen, oder geht man eben seinen Weg und wartet geduldig, wenn sich etwas in den Weg stellt?
Mit anderen Worten: Haben wir es eilig?


Es begann schon nach der Schule. Davor hatte man eine gewisse Narrenfreiheit, denn der Abschluss musste ohnehin erstmal gemacht werden. Da biss die Maus keinen Faden ab und Alternativen wie "Ich brech die Schule ab und geh zur Schauspielschule" waren wohl eher.. naja, das tat doch eigentlich kaum wer. Schulabschluss ist etwas so Fundamentales, das die meisten sich eher gerne daran festzuhalten scheinen. Dieses Ziel ist gewissermaßen noch "idiotensicher" und garantiert richtig.
Ab da wird es komplizierter mit der Zeit: Schon hier gab es wilde Diskussionen zwischen denen, die "erstmal ein Jahr chillen/ins Ausland/ sich orientieren" wollten und denen, die eifrig ein Jurastudium begannen (wobei die wenigsten davor Poster von Paragraphen und Klauseln überm Bett hängen hatten. Grund des Studiums war eher: es war halt einfach vernünftig so).
"Ihr verschwendet eure Zeit! Wertvolle Jahre!", wurden die "Chiller" angeklagt.
"Ich find schon, was ich machen will, wenn's so weit ist!", war die Antwort.
Verunsichert waren die meisten. Welcher war denn nun der richtige Weg? Konnte man Jahre verlieren?
Konnte man Zeit verschwenden und war es schlimm, erst ein, zwei Jahre später mit abgeschlossenem Studium ins Berufsleben einzusteigen?
Die weitaus verwirrendere Frage stellten sich manche, aufgrund der Unglaublichkeit dieser, gar nicht erst: Was wenn gar nicht studieren? Quer einsteigen? So viele Ampeln abwarten, bis selbst dafür die richtige schaltete?


Ist es das Ziel, möglichst schnell am Ziel anzukommen, oder ist mehr "der Weg das Ziel" wie man so schön sagt? Man stelle sich eine gerade Strecke vor, zwei Menschen am Anfang dieser, jede Menge Ampeln dazwischen und am Ende ein Fähnchen, das den Zielpunkt markiert. Beide wollen zum Fähnchen. Wenn die eine Person loshetzt, jedes grüne Licht gerade noch erwischt, und am Ende schwitzend und hechelnd am Ziel ankommt, hat sie es geschafft. Die Frage ist nur: Wie geht es ihr? Sie ist jetzt am Ziel, vor ihr liegt nichts mehr. Alles weitere muss sich erst ergeben. Doch sie ist erschöpft und die Frage ist, wann sie sich soweit erholt haben wird, dass sie weiter kann. Alles in allem war es ein beschwerlicher Weg und all die schönen Blumen am Rand des Weges hat sie vor lauter Stress gar nicht gesehen. Auch nicht die Bäume und die Vögel, die da gezwitschert haben, die hat sie schon gar nicht gehört.
Die andere Person ging ihren Weg gemächlich. Nicht übertrieben ruhig, aber sie nahm sich ihre Zeit. Am Ende gelangte auch sie ans Ziel. Hatte bis dahin aber schon jede Menge neue Ideen, wo es als nächstes hingehen sollte. Es gab ja bei all den roten Ampeln viel Zeit, um ein wenig still zu stehen, um sich zu blicken, zu genießen und nachzudenken.
Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, möglichst schnell anzukommen und ja nie stehen zu bleiben. Vielleicht ist das Stehen einer der Teile, die man auf keinen Fall missen sollte. Das Leben ist mehr als ein Rennen zum Ziel.


Ärgern Sie sich also nicht über die nächste rote Ampel. Schließen Sie die Augen, lächeln Sie und nutzen sie die Zeit, um einfach mal zu ruhen.

Montag, 31. Oktober 2011

Von künstlichen Sehnsüchten

"Ich war noch niemals..."


Früher waren die Leute arm dran. So ganz ohne Internet fehlte es an einer entscheidenden, weil einfachen und unumständlichen Art, sich zu informieren. Über aktuelle News, über Fragen aller Art und ganz besonders: über die persönlichen Möglichkeiten.
Doch Fluch oder Segen: Das ist hier die Frage.


Überall "schicksalhafte" Begegnungen
Was einem früher schicksalhaft in Form eines Aushangs am schwarzen Brett begegnete ("Suche Bandmitglied, Gitarre, bitte melden!"), lauert heute hinter jede Ecke. Egal welchen Suchbegriff man bei Frau Google eingibt, man wird hundertprozentig fündig. Solange es sich hierbei um die Wohnungssuche oder genauere Infos (wobei man auch hier bezüglich Glaubwürdigkeitsgrad aufpassen muss) handelt, ist alles schön und gut.
Doch schon bei der Jobsuche fängt es an und nimmt seinen Lauf was Freizeitbeschäftigungen und weitere Lebensgestaltungsmöglichkeiten angeht.
Die Rede ist von: Auslandsjob. Auslandsaufenthalt generell. Doch nochmal studieren? Was anderes studieren? Studium schmeißen und die Ausbildung anfangen, die so viel mehr nach dem klingt, was man immer schon mal machen wollte? (insbesondere in Phasen, wo das Studium grad nicht mehr so taugt wie einst)
Vielleicht gar alles aufgeben und genau wie der Typ, der da von sich schreibt, sich einfach nur noch auf das Verfassen des ersten Romanes konzentrieren?


Muss man alles wollen?
Die Wahrheit ist: Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Aber nicht unser Wille.
Der Mensch ist ohnehin schon ein Herdentier: Einfach bei SEINER Sache zu bleiben, ohne sich von anderen und ihren Zielen beeinflussen zu lassen, fällt so schon schwer. Wenn man da noch ständig vor Augen geführt bekommt, was man denn noch so machen könnte, sonst könnte man ja am Ende etwas -  oh Graus! - verpassen, kann am Ende sogar Angst einjagen.
Aufeinmal ist man voller Tatendrang. Was hat man nicht schon alles an Chancen an sich vorbeiziehen lassen. "Ich war noch niemals in New York", trällert Udo Jürgens leise im Hintergrund, wie wir Job schmeißen und den Flug in ferne Ziele buchen. Um "uns selbst zu finden", so heißt es doch so schön.
Doch Vorsicht. In eben jenem fernen Land kommt oft der Gedanke: "Ja, aber eigentlich, wars doch zuhause ganz schön..."


Künstliche Sehnsüchte
Es entstehen da künstliche Sehnsüchte, die nichts mit unseren eigenen Wünschen zu tun haben. Nur mit Eindrücken, die uns suggerieren: "Der hat es offensichtlich besser als ich! Der macht was aus seinem Leben. Der ist bestimmt glücklicher". Doch: Was jemand anders will und dessen Ideal und Traum ist, von dem er munter im Internet berichtet, muss es nicht für uns sein. Egal ob Weltenbummler, Karrieremensch oder kreativer Bastler: Man kann sich geradezu in Depressionen stürzen, wenn man nicht frühzeitig erkennt, dass man eben eine ganz eigene Person ist. Nur weil man alles kann und darüber Bescheid weiß, heißt das nicht, dass man auch alles will.


Natürlich gibt es auch hier nicht nur schwarz und weiß und die Reise in das ferne Land kann dennoch der Seele und dem eigenen Horizont sehr gut tun. Ausprobieren ist sicher nicht falsch.
Solange man nicht vergisst, dass es genauso gut sein kann, dass das eigene Leben bereits passt wie es ist. Auch ohne Zusatzstudium und Auslandsjahr. Es ist legitim, manche Chancen und Möglichkeiten an sich vorbeiziehen zu lassen, wenn man bereits im Hier und Jetzt zufrieden ist und es einem an nichts fehlt. Die Wünsche und Ziele der anderen müssen nicht automatisch den unseren entsprechen, selbst wenn sie sich noch so "cool und weltgewandt" anhören.


Denn glücklicher als glücklich kann man auch nicht werden.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Hatte Disney doch Recht?

Um das mal gleich vorweg zu nehmen: Nein, ich spreche nicht vom Disneyschen Frauen-Mann-Bild (Mann: groß, Beschützer; Frau: zart, zu beschützend; alle hübsch). Auch spreche ich nicht davon, in jeder Lebenslage ein passendes Liedchen zu trällern (wobei sich das in den aktuelleren Filmen eh gegeben hat, soweit ich das mitverfolgt habe).


Ich spreche mehr von dieser nahezu naiven und unvoreingenommenen Sicht der Welt. Denn was uns als Kindern vollkommen klar war, hatte etwas Beruhigendes: Es gab im Leben Gutes, auf das man einfach vertrauen konnte. Diese unbändige Freude auf etwas, dieses Glück, allein beim Anblick eines neuen Spielzeugs/ frischem Milchreis/ was auch immer man so gerne mochte. Warum genau sollte man das jetzt eigentlich nicht mehr haben?


Klar, vieles dieser Lebensfreude hatte einfach mit dem Kindheitsalter zu tun. Doch ich glaube allein darauf lässt sich das Ganze nicht abwälzen. In unserer Zeit von Zynismus, Skepsis und Ironie bishin zu verschärftem Sarkasmus bleibt irgendwie wenig Raum für das, was doch eigentlich glücklich macht: Naiv sein.
Einfach mal sich freuen. Einfach mal glauben. Einfach mal hoffen. Sich Gefühlen hingeben, sie spüren, ohne zu hinterfragen. Disneycharaktere freuen sich einfach an dem, was sie erleben und glauben immer an das Gute im Leben. Außer die Bösen, aber die werden eh eliminiert.


Was ich hinzufügen muss: Ja, ich liebe Sarkasmus und ja ich bin leidenschaftlich gerne ironisch. Und skeptisch. Wer heutzutage nicht - aber wozu das Ganze?
Und ebenso: Klar wir leben nicht in einer superduper schönen perfekten Welt. Es gibt viel Schlimmes und das lässt sich nicht in ein Disney-Märchenschloss verbannen. Heißt nicht, dass jeder einzelne abstumpfen und zum pessimistischen Zyniker werden muss.
Denn optimistisch und mit Glauben an das Gute kann man doch im Prinzip nichts falsch machen. Denn wer so ist, wird eher helfen, als der pessimistische Zyniker.


Da wäre die Frau, die unsterblich verliebt in einen Mann ist. Sie weiß nicht, ob er ihre Gefühle erwidert. Wie geht es weiter?
a) Sie freut sich am Gefühl und glaubt daran, dass er sich auch in sie verliebt bzw. es im besten Falle bereits ist
b) Sie rechnet sich lieber bereits den Worst Case aus: Er ist nicht in sie verliebt und spielt nur mit ihr. Dazugehörige Tests lassen sich ja prima in Frauenzeitschriften machen, die ihre Skepsis womöglich bestätigen.
Geht die Frau nach Plan a) vor und der Mann will sich dann doch nicht verlieben: Ist sie dann wirklich unglücklicher, als wenn sie sich für Plan b) entschieden hätte? Sie hat sich auf das Gefühl eingelassen, hat eine wunderschöne Höhe erlebt und dann auch eine Tiefe. Was ist besser? Höhen und Tiefen oder Monotonie? (sprich bei Plan b): "Ich habs ja gleich gesagt.")


Augen auf machen und mal raus schaun, wie schön die Welt eigentlich ist. Die hübsche Blume oder den niedlichen Hund überhaupt erst bemerken, statt innerlich schonmal den weiteren Tagesablauf durchzugehen und mentale "to-do-Lists" anzufertigen.
Und einfach mal lachen. Und lächeln. Und laut mitsingen.
Und einfach mal verliebt sein. Komme da, was wolle.
Das Gefühl kann Ihnen keiner nehmen, dieses Glücksgefühl.


Klingt naiv? Klingt uncool?
Probieren Sie's: Denn Ironie und Sarkasmus mögen cool sein und abschirmen aber:


Glücklich machen sie nicht.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Hier und Jetzt ist Alles

Heutzutage hat jeder, der was auf sich hält, eine Menge Ziele. Die Möglichkeiten werden mit Internet und co immer grenzenloser und wir alle sind top informiert über so ziemlich alles, was wir tun könnten. Auslandsemester hier, Freiwilligenarbeit dort und da wäre doch noch dieser Fernkurs zur Fortbildung. Oder wollen Sie nicht gleich ihr eigenes Unternehmen schmeißen? Dank Internet heutzutage mit nur wenig Anfangsinvestition möglich!


In all den Möglichkeiten, die sich da so bieten und die geradezu zu schreien scheinen: "Komm! Pack mich an! Ich bin DEINE Chance!", da kann man leicht mal den Kopf verlieren. Und zwar für das, was wirklich zählt.
Das Glück.


Was ist Glück? Glück ist ein Zustand. Wann empfindet man diesen Zustand? Im Hier und Jetzt. Denn man kann weder rückwärts noch vorwärts fühlen. Und was macht glücklich?
Da wird es komplizierter. Denn zum einen stimmt es: Ziele, Pläne und das Gefühl, etwas langfristig zu bewegen und zu erreichen, machen einen intelligenten Menschen glücklich und steigern höchstwahrscheinlich auch das Selbstbewusstsein, was wiederum - genau - glücklich macht.


Doch was bei all den Zielen, Erwartungen, Ansprüchen und Ehrgeiz manchmal verloren geht, ist gleichzeitig die eigentliche "Geheimzutat" des Glücklich-seins:
Fühlen. Einfach nur fühlen.
Wo bin ich gerade? Wie gefällt es mir hier? Wie geht es mir? Was sehe ich?
Einerseits die Situation um sich herum wahrzunehmen und andererseits in sich hinein zu spüren und statt an Schritt zwei und drei, nur an den gerade machenden Schritt zu denken: Das bedeutet Glück.


Denn was wir mit allen Zielen so anstreben, ist ja das Glück. Es ist ein riesiges Mosaik aus sozialen Kontakten, körperlicher Zustand, wahrgenommene Eindrücke, persönlicher Einstellung etc. Man kann an jedem einzelnen dieser Bausteine basteln, um glücklicher zu werden.
Man sollte nur nicht verpassen, das Glück dann auch zu genießen! Und zwar nicht später, sondern genau jetzt in diesem Moment.


Mir ist das beim Laufen aufgefallen. Denn wenn ich im Nachhinein auf die Route, die ich gelaufen bin, zurücksehe, kommt es mir weit vor.
Doch bei jedem einzelnen Schritt, den ich getan habe, habe ich Glück empfunden und nicht weiter über den weiteren Weg als dringend notwendig gedacht.


Und war glücklich. Im Hier und Jetzt.