Donnerstag, 16. Februar 2012

Zeitalter der Innovativen?

Wenn ich durch Zeitschriften blättere, werde ich manchmal furchtbar müde. Hier der geniale Erfnder einer vollkommen neuen, nie dagewesenen, das Leben nochmal so viel "easier" machenden "App". Dort eine Bloggerin, die mit ihrer Schmuck- und Schminkkolumne jeden Monat neue Klickrekorde knackt. Und da wären noch die ganzen Weltretter, die nicht mehr nur die Welt retten, nein sie haben obendrein noch Superideen, wie sie ihre Weltrettung vermarkten und veröffentlichen könnten.

Ohje, das klingt bitter. So ist es aber nicht gemeint. Ich frage mich nur: Muss jetzt jeder innovativ sein? Ideen haben? Was Neues erfinden zu all dem was es schon gibt? Einen Modeblog starten, weil er/sie gerne mal samstags durch die Klamottenläden der Stadt bummelt? Einen eigenen Künstlerbasar gründen, weil er/sie immer wieder neue lustige Bastelideen hat und spontan anfängt, Teppiche zu weben und Pullis zu stricken?
Eins ist ja schon länger klar: Facebook, Twitter und co erhöhen und sättigen bei immer mehr Menschen ihren täglichen Mitteilungsbedarf. Was wäre die Welt inzwischen ohne wahlweise entnervte, belustigte, erfreute oder berichtende Posts? Die darauf folgenden Kommentare, Likes und Würdigungen? Halbe Menschen wären viele von uns inzwischen. (Mich eingeschlossen, fürchte ich)

Doch scheinbar geht das ganze inzwischen schon darüber hinaus. Es geht nicht mehr nur darum, in die Welt die neusten Neuigkeiten aus dem eigenen Leben hinauszutragen. Nein: Es geht inzwischen darum, sich vollkommen neu zu ERFINDEN. Und damit am besten auch gleich eine entsprechende tolle Leistung, die man selbst verwirklicht und somit sich damit identifizieren kann. Um auf die Zeitschriften zurückzukommen: Ständig wird nicht nur von klugen Köpfen und kreativen Individualisten berichtet, die Tolles leisten (vor diesen Hut ab, das will ich hier gar nicht schlecht machen). Nein, es wird ermuntert, aufgefordert bis hin zu beinahe schon aggressiv gedrängt. "Mach doch auch was! Na komm, du kannst es! Ein eigener Blog, eine eigene Website, ein Laden, IRGENDETWAS! Werd innovativ und erfolgreich, so wie wir! Da geht noch was!", brüllt es laut und was einst eine Ermunterung für solche gewesen sein sollte, die im stillen Kämmerlein eine tolle Idee haben und sich nicht trauen, sie zu verwirklichen, wird mehr zu einem ständig währenden Schuldgefühl vieler. Mensch, ich überleg doch schon, knabbert man in seine Unterlippe hinein, und die zündende Idee scheint so nah.

Ein Blick ins Internet kann dann entweder sehr inspirierend oder sehr vernichtend sein. Denn egal welche Idee man hat: Die Wahrscheinlichkeit steigt mit jedem online aktiven User, dass es das Ganze bereits gibt und schon gemacht wurde. Wer also einfach nur schrecklich individuell sein wollte, hat schlechte Karten.

Aber nochmal zum Kern der Sache: Worum gings denn nun eigentlich? Erfolgreich und reich zu werden, oder Individualist zu sein? Denn beides geht und es ist toll, wenn es ZUSAMMEN Hand in Hand geht. Aber das muss nicht so sein. Man kann erfolgreich werden in einem furznormalen Job, der einem eben trotz seiner Furznormalität Spaß macht. Und vielleicht sogar viel Geld verdienen dabei.
Man kann Individualist sein, ohne es in die Welt hinauszutragen oder gar zu -schreien. Man kann sein Ding machen, seine Klamotten anziehen, seine Musik hören, alternativ sein, soviel man Bock hat. Wahren Individualisten geht es meiner Ansicht nach nicht darum, dass die Welt auch ja merkt, wie individuell sie sind. Sie haben einfach nur aufgehört, zu versuchen, irgendwelchen Ansprüchen zu entsprechen.
Meinen eigenen Blog schreibe ich einfach nur deswegen, weil ich das möchte und weil es mir Spaß macht. Bin ich deswegen unglaublich individualistisch? Naja, dafür machen es wohl zu viele.

Meine Message hier also: Wer eine tolle Idee hat, soll damit machen, was sich richtig anfühlt. In diesem Fall: Nur Mut! Scheitern ist okey und auch, wenn man vielleicht doch nicht ganz der einzige oder perfekt ist, verwirklicht man immerhin seinen eigenen Traum.
Wer einfach sein Leben lebt und damit ziemlich gut fährt, braucht wiederum nicht unbedingt DEN tollen Innovations-Wandel, nur weil er da von jemandem gelesen oder gehört hat, der so ein super Ding durchgezogen hat, mit dem er jetzt reich, erfolgreich und beliebt ist. Man will immer MEHR, aber vielleicht passt es auch ganz gut, was man hat.

Also, insofern du kein Serienmörder bist: Wenn es dich glücklich macht, dann mach einfach dein Ding. Das passt schon.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Licht und Dunkel

Es war einmal einer, der hielt sich für ganz besonders schlau. Als eine gute Fee herbeiflatterte und ihm drei Wünsche erfüllen wollte, da gab er sich bescheiden. Er bräuchte nur den einen: Glücklich zu sein. Das erschien ihm undenkbar schlau, da er für sich nach kurzem Nachdenken zum Schluss gekommen war: Alles, was er sich gewünscht hätte, ob Reichtum, Liebe oder Anerkennung hätte er doch letztlich für das eine Ziel gewollt: Nämlich, glücklich zu sein. Warum also nicht gleich das Endresultat, so ganz ohne Umschweife.

Die gute Fee erfüllte sein Anliegen. Es folgten die besten Tage, Wochen, Monate, vielleicht auch Jahre seines Lebens. Er war glücklich, zufrieden und nichts konnte ihn traurig stimmen. Weil er so glücklich war, war er auch voller Tatendrang und machte die Menschen um sich herum froh. Die schätzten ihn nur noch mehr, war er ja nun ein wahrer Optimismusfels in der Brandung.

Das lähmende Gefühl kam schleichend, doch es klopfte nicht an, bevor es in sein Leben stürmte. Das Lachen begann zu bröckeln, das Strahlen begann, Löcher zu bekommen. Einerseits Stürmen, war es andererseits ein reines Abschleifen der Sinne. Er wurde es müde und mürbe, immerfort glücklich zu sein. Tag ein, Tag aus, ging es ihm schon so lange immer gleich. Am Anfang war er beseelt gewesen, später immer noch äußerst zufrieden, doch nun trat etwas anderes ein: Leere.
Alles, wa so farbenfroh gelacht hatte, war noch immer farbig, doch schwieg es nun. Und was sein Herz hatte hüpfen lassen, ließ es nun ruhig. Es hatte einfach schon zu viel gehüpft und war des Hüpfens müde.
Es war nun mehr anstrengend, immer zu lachen und hatte gar seine kindliche fröhliche Manier verloren.
Traurig war er nicht, oh nein. Doch er lernte kennen, was ihm mehr Angst und Bange machte, als jede Trauer und jeder Schmerz: Gleichgültigkeit und immer ebenes Dahintreiben.

"Ich kann einfach nicht traurig sein! Ich möchte so gerne traurig sein!", rief er laut und die Leute schüttelten den Kopf. Was hatte der nur für Probleme. Doch die gute Fee hörte ihn. Sie beschloss, ihn von seinem Wunsch zu erlösen.
Durch den Schock, aufeinmal nicht mehr glücklich zu sein, wünschte er sich das Glück schnell wieder herbei. Denn er fiel in ein tiefes Loch, aus dem er zunächst glaubte, nicht mehr heraus zu finden. Er weinte, er klagte und oft war er so volller Kummer, dass er nur noch still sein konnte. Ein dunkles Tuch hatte sich über ihn gelegt und er fand das Ende nicht.

Eines Morgens war verdattert, denn etwas war anders. Und da merkte er es: Das Tuch war verschwunden. Es schien ihm die Sonne wieder direkt ins Gesicht. Und wie ihn das Licht einnahm, sein Gemüt erhellte und er zaghaft begann, wieder von innen heraus zu leuchten, da wurde ihm warm ums Herz und er dankte Gott, am Leben zu sein. Fortan wusste er es in seiner Besonderheit und Unverfügbarkeit zu schätzen: Das Glück.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Leben wirklich leben

Ich war heute (ausnahmsweise ;-) ) mal sehr in Gedanken versunken. Bis ich auf einmal plötzlich mit aller Wucht in das Hier und Jetzt gerüttelt wurde. Details lasse ich aus, bis darauf: Mir geht es gut und ist nichts passiert. Viel mehr hat mir das Erlebnis einen wahren Gedankenstoß (wortwörtlich) geschenkt.

Wir alle leben unser Leben, Tag ein, Tag aus. Man hat seine Alltagssorgen und -probleme, kümmert sich um dies, besorgt das und hat jede Menge im Kopf, was er noch erledigen muss oder möchte. Die einen gehen ihren Weg zielstrebiger, die anderen weniger, doch immer scheint es, als hätten wir bereits große Pläne. Je größer die Stadt, desto hektischer die Leute. Man bahnt sich seinen Weg von einem Punkt zum nächsten. Stillstehen ist wenn eine Pause, kein Zustand. Und auch Ruhe gönnen sich heutzutage viele Menschen zu wenig.

Doch wozu das Gehektel? Ich möchte nicht den Sinn des Daseins hinterfragen, das überlasse ich lieber weitaus tiefgründigeren und schlaueren Philosophen. Ich hinterfrage im Prinzip überhaupt keinen Sinn. Was  man tut, ergibt für einen selbst manchmal mehr und manchmal weniger Sinn, auch abhängig von Lebensphase und generellem emotionalen Zustand. Nein, das was ich hinterfrage ist: Ist es das wirklich wert? Lebt man denn immer noch das, was zu einem passt? Oder ist es doch ein längst verstaubtes Leben, das gar nicht mehr wirklich zu einem gehören scheint? Das entweder einmal unser Wunsch war oder eigentlich nie wirklich der eigene Traum gewesen ist.

"Lebe jeden Tag, als wäre es dein Letzter." Ein Spruch, der sich irgendwie gut anhört, aber letztlich eigentlich ziemlicher Humbug, zumindest in meinen Augen, ist. Denn kein Mensch könnte sich langfristig das Gefühl vorgaukeln, das er hätte, wenn es tatsächlich der letzte Tag wäre. Wenn doch wäre es vermutlich wirklich bald der letzte Tag, weil er beim alltäglichen Um-seinen-letzten-Tag-bangen und Alles-an-einem-Tag-tun-wollen einen Nervenzusammenbruch erleiden würde. Wenn man den Satz jedoch mal bei der Wurzel packt und etwas unpathetischer nimmt, könnte er auch heißen: "Überlege dir bei dem was du tust,  ob du das auch willst." Klar, geht nicht immer. Sonst würde man seinen Job an einem schlechten Tag einfach hinschmeißen oder von der Brücke springen, sobald man kurz mal ein Gefühl der Aussichtslosigkeit verspürt. Es würden keine unleidigen Pflichten mehr erledigt werden, die aber halt getan werden müssen.

Es geht mehr ums große Ganze. Denn mit dem "letzten Tag" ist meines Erachtens gemeint "Kannst du so weitermachen, wie das grad ist?" oder auch "Genießt du denn dein Leben?"
Das sind Fragen, die sich viele Menschen stellen sollten, denke ich. Es sind mir einfach schon zu oft unzufriedene Menschen begegnet, die weder ein schreckliches Schicksal erlitten haben, noch aus irgendeinem Grund in ihrer Situation gefangen sind. Sie sind nicht glücklich mit dem was sie machen, aber sie wollen auch nichts daran ändern. Sie scheinen sich damit abgefunden zu haben.
Dass es in jeder Lebenslage auch, vielleicht sogar vor allem, auf die persönliche Wahrnehmung und die Fähigkeit, Gutes zu sehen, ankommt, ist ein eigenes Kapitel.
Doch was, wenn jemand sich sein Leben gar nicht erst VERSUCHT, so einzurichten, dass es ihm gefallen würde?

Vielleicht habe ich zu wenig Einfühlungsvermögen, aber in meinen Augen wirkt es, als hätte jeder ein Zimmer. Es hat eine unterschiedliche Lage, manchmal an einem schönen Ort, manchmal an einem weniger schönen. Manchmal mit hoher Decke, manchmal eher niedrig und nicht alle sind sie auf der Sonnenseite oder haben überhaupt ein Fenster.
Doch wir haben die Möglichkeit, uns das Zimmer einzurichten. Es uns schön und heimelig zu gestalten.

Einerseits natürlich tatsächlich mit Gegenständen, Schmuck und schönen Dingen, doch das ist absolut sekundär.
Womit wir den Raum wirklich zu einem schönen Ort machen können ist: Wärme. Menschen. Nähe. Kreativität. Liebe.
Wir alle haben es in uns, für andere da zu sein. Andere in unser Zimmer hineinzulassen.
Wir alle können unsere Träume verwirklichen, unsere Kreativität zu Bildern werden lassen und unsere Fähigkeiten nutzen. Und jeder hat Fähigkeiten.

Das soll nicht heißen, dass es dann immer schön ist, das leben.
Das soll lediglich heißen:

Du hast es in der Hand, dein Leben zu gestalten. Nutze es.

Montag, 30. Januar 2012

Die Kraft der Vorbilder

"Also, das bist ja gar nicht du selbst!" Selbstverwirklichung, Authenzität und voll und ganz man selbst zu sein: Das ist das Motto der Stunde. Je individualistischer Gesinnungen, Modestile, Freizeitbeschäftigungen und Lebensmodelle werden, desto mehr scheint auch eine gewisse Last auf jedem von uns zu liegen. Man muss auf jeden Fall etwas besonderes sein, etwas ganz eigenes. Wehe, man kopiert. Wehe, es ist erkennbar, dass oder am Ende sogar, WELCHES Vorbild man hat. (Ob es beschämender ist, dass es sich bei besagtem Vorbild um Lady Gaga oder der Bekannten aus der Uni/Arbeit handelt, ist dabei eine weitere interessante Frage)

Nicht, dass ich das verteufeln würde: Es ist toll, wie offen viele heutzutage sind und werden, wie freimütig jeder das Recht hat, einfach "sein Ding zu machen", weil genau das voll im Zuge der Zeit ist. Das macht es nicht nur sogenannten "Nerds", "Freaks" oder einfach nur Menschen mit semi- bis vollextremen Neigungen einfacher, sondern jedem Einzelnen. Denn da, wo der Nerd seinen Hang zur Technik im Sinne neuster Apps fürs hochmoderne, coole Smartphone nutzen kann, um am Ende nicht als "komischer Eigenbrötler" sondern "cooler Erfinder" dazustehen, kann wiederum eine von Kosmetik besessene "Tussi" (die Wertung absichtlich in Anführungsstrichen) gleichgesinnte finden, indem sie einen von Klicks und Würdigungen gesegneten Blog aufmacht.

Doch, wenn ich ehrlich bin: Ich habe Vorbilder. Alles was ich bin ist letztlich eigentlich eine gute Mischung aus mir selbst (bzw. meiner von mir oder anderen geförderten Seiten) und eine noch bessere Mischung aus Vorbildern. Diese sind mir teils bewusst, teils auch nicht. Doch ich stehe dazu. Ich glaube nicht, dass alle meine Ziele, meine Wünsche und auch meine jetzigen bereits erworbenen Stärken alles "ich selbst" bin oder schon immer war. Manches davon wurde mit der Zeit immer mehr ein Teil von mir, weil ich es mit Erfolg adaptiert habe (nennt sich in der Psychologie auch "Carry-Over-Effekt", sprich man übernimmt spezielle Konzepte so lang, bis man sie selbst glaubt und tatsächlich IST). Manches davon ist weiterhin mein eigener Wunschglaube, aber letztlich eigentlich nur nach außen hin präsentiert.

Ich stelle nun den Oberhammer vor: Ich glaub, damit bin ich nicht die einzige. Ich glaube sogar, dass fast jeder so ist.

Vorbilder können die verschiedensten Menschen, Persönlichkeiten oder sogar Kreaturen sein. Manche real, die meisten wohl eher nicht real, im Sinne von: So stellen wir sie uns halt vor. Denn dass unsere Vorbilder letztlich auch nur (insofern nciht eh Fantasiegestalt), Menschen sind, impliziert ja, dass sie wiederrum auch ihre eigenen Vorbilder haben und somit endet das ganze gewissermaßen mit einem Blick vom Spiegel in den Spiegel. Oder um es einfacher zu sagen: Jeder sieht seine Welt aus seinen eigenen Augen. So sieht man auch andere Menschen. Und sie einen. Wenn man wüsste, für wen man so als Vorbild agiert, ohne das wissen, wäre das wahrscheinlich in vielen Fällen erstaunlich und faszinierend. Was man in anderen sieht und was andere in einem, hat sich schon oft als dermaßen absurd erwiesen Immer wieder höchst interessant bishin zu belustigend, das bei einem guten Plausch darüber festzustellen.

Aber ich weiche vom Thema ab. Man hat nun seine Vorbilder und eben das sind gewissermaßen "Helden" in unseren Augen. Sie verkörpern, was wir sein wollen.
Ob es nun um sportlichen Ehrgeiz, buddhistische Ruhe oder extrovertierte Ausgelassenheit geht: Es sind letztlich Projektionen unserer Wünsche in andere Gestalten und Personen. Warum wir das tun? Weil es so einfacher ist.
Man kann relativ (im Sinne von "in Relation") einfach bestimmte Rollen übernehmen. Sich zu sagen "So, jetzt bin ich mal ganz ich selbst, nur ganz offen und extrovertiert" wenn man doch eigentlich schüchtern ist und sich am liebsten verkriechen würde, ist ziemlich schwierig bis unmöglich. Es widerspricht irgendwo ja der Logik. Man IST halt nicht so.
Sich dagegen vorzustellen "Mein Held wäre jetzt ganz offen, es wäre ihm einfach egal, wenn er sich blamiert. Er geht offen auf die Leute zu und ist freundlich. Genau so will ich sein", das ist einfacher. EinfachER, nicht einfach, wohlgemerkt. Aber man lernt auch mit der Erfahrung und Übung macht bekanntlich den Meister.

Was ich letztlich damit sagen will: Es ist schön und gut, man selbst zu sein. Insbesondere aber eigentlich für sich selbst. Sich kennenzulernen ist schließlich auch die Basis, die eigenen Wünsche wahrzunehmen und letztlich dann auch umsetzen zu können.
Doch Vorbilder sind unsere Fähigkeit, uns zu steigern. Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter. Mit Vorbildern haben Menschen vor uns viel geschafft und können, so ist meine absolute Überzeugung, auch WIR, jeder von uns, alles schaffen was man will.
Mit Vorstellungskraft, Fantasie und jede Menge Mut, aus der eigenen Rolle in andere zu schlüpfen und sie auszuprobieren.

Wenn die Rolle passt und sie uns glücklich macht, dann wird sie irgendwann ein Teil unserer selbst. Das widerspricht dem Individualismus weniger, als dass es ihn ergänzt.

Letztlich ist es ein Wahnsinnsgefühl, zu merken, dass mein sein eigenes Vorbild lebt, damit glücklich ist und es schafft, es mit den eigenen Wesenszügen tatsächlich zu vereinen und nach außen und innen hin, das zu sein, was man sein möchte.

Denn man lebt dann seinen Traum.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Die Qual der Wahl

"Soll ich's wirklich machen, oder lass ich's lieber sein?"
"Diesen Pulli in grün, blau oder doch vielleicht lieber den schwarzen, der passt zu allem?"
"Welcher Beruf passt zu mir?"
"Will ich wirklich stricken oder finde ich es nur cool, wenn andere das machen?"

Es gibt verdammt viele Entscheidungen die das Leben mit sich bringt. Und zwar nicht nur das Leben an und für sich, nein: Jeder Tag ist voll von Möglichkeiten. Möglichkeiten, etwas zu ändern, es gleich bleiben zu lassen. Manchmal sind es auch reine Gedanken, die sich ändern und aufeinmal fällt es einem wie Schuppen von den Augen, was man bisher gar nicht in Erwägung gezogen hat. Die Entscheidungen,  wirken sich mehr oder minder auf unser künftiges Leben aus: Sie zu fällen kann aber in jeder "Prioritätsstufe" sehr schwer sein (vergleiche Beruf mit Pulli). Denn wir haben Angst davor, etwas falsch zu machen. Wer die Wahl hat, hat die Qual, heißt es ja. Stimmt. Denn wer wählt, riskiert eine Fehlwahl. Kaum hat man sich für den blauen Pulli entschieden, so ist einem schon am Folgetag klar, dass man doch eigentlich den grünen und sich endlich zu mehr Farbe trauen wollte. Blöd nur, dass der Pulli im Ausverkauf war und nun gar nicht mehr in der eigenen Größe zu haben ist. Ungleich wird der grüne Pulli zum verlockendsten Objekt seit der Erfindung des Handys und man selbst unendlich betrübt und sein eigenes Einschätzungsvermögen stark anzweifelnd. Ja, es ist hart, eine Fehlentscheidung zu treffen. Selbst wenn es nur um einen Pulli geht.

Weil uns nicht nur ein-, zwei-, sondern viele viele Male passiert ist, dass wir uns das Falsche herausgegriffen haben, sei es Pulli, sei es Freizeitaktivität oder gar Studium/Berufsausbildung, suchen Menschen Rat. Die einen, weil sie dem Ratgebenden nachher (im besten Falle noch unbewusst) alles in die Schuhe schieben können, wenn der Ratschlag ins Leere gemündet hat. Die meisten jedoch einfach, weil sie folgendes suchen: Legitimation. Eine Absicherung.

Nicht in allen, aber in vielen Fällen, weiß man eigentlich selbst eh ganz genau was man will. Schon während man sich fürs Jura-Studium immatrikulierte, hing man bereits Tagträumen nach: Davon, Bäcker zu werden. Man backt in Tagträumen Kuchen und freut sich am Duft von Brot mehr als über zwei Euro, die auf der Straße liegen. Hat schon den Halbtagsjob damals in der Bäckerei während der Schulzeit geliebt. Aber man fragte um Rat: Die Eltern, die Freunde, das gesamte Umfeld. Allen erschien ein Jura-Studium bei einem 1,2er-Notendurchschnitt doch sehr viel erstrebenswerter als eine Berufsausbildung zum Bäcker. "Ich mein wozu hast du denn das Abi gemacht?", hieß es. Bis er dann das Jurastudium und sich selbst in Schürze schmiss, um den Rest seiner Tage glücklich Brot und Semmeln zu backen.

Das ist ein Klischeebeispiel und natürlich übertrieben. Doch auch hier hat der einstige Jurastudent eigentlich gewusst, was er wollte. Seine innere Stimme hat es ihm immer wieder zugemurmelt, aber sie kam einfach nicht gegen die Meinung der anderen an.

Ist man auf der "Selber-wissen-was-man-will"-Skala schon vorangeschritten, ist es oft einfach die Bestätigung, die man bei anderen sucht. Man weiß, was man will, aber man stellt in Frage: Wie kann das sein? Alle fragen um Rat. Keiner macht einfach so das, was er sich eben denkt. Dann kann ich doch nicht...
Man zweifelt an der eigenen Einschätzung, an dem eigenen Gefühl und letztlich an der inneren Stimme.
Kennen Sie das, wenn Sie jemanden zwei Möglichkeiten auftischen und er ihnen wärmstens Möglichkeit 1 empfiehlt? Manchmal merkt man erst da, wie wenig man das eigentlich will. Oder aber, wie Recht der andere doch hat.

Der, der nur Bestätigung gesucht hat, wird wahrscheinlich letztlich doch SEINEN Weg gehen. Möglicherweise damit auf die Schnauze fliegen. Möglicherweise einen Fehler machen.
Aber das war dann SEIN Fehler.
Und je länger man so auf der Erde herumläuft, desto klarer wird man sich über die Dinge, die anderen und am allerwichtigsten: sich selbst.

Also: Keine Angst vor Entscheidungen. Andere Ratschläge sind gut, doch andere Meinungen sollten im eigenen Leben keine zu wichtige Rolle spielen.
Denn letztlich stimmt der ungern gehörte Satz: "Du musst selber wissen, was du tust!"

Montag, 9. Januar 2012

Business: Welt der Masken

Was sind wir nicht alle professionell. Die Businesswelt greift um sich und mit ihr der angeforderte und angestrebte akademische Grad. Wir gehen zur Uni, zur Arbeit, zu Meetings und immer wieder ist es das selbe Spiel: Mentale Sonnenbrille aufgesetzt, möglichst cool wirken und - ganz wichtig! - bloß nicht emotional werden. Die richtigen Profis haben ohnehin bereits mindestens eine Maske, wenn nicht gleich ein ganzes Repertoire. Wer wollen Sie heute sein? Professionell und authentisch bis auf die Knochen? Oder diesmal lieber die lockere, freundliche Art? Wie wäre es mit der unkonventionellen, daher sehr kreativ wirkenden Maske?

Während das vielleicht ein wenig übertrieben klingen mag, ist eines auf jeden Fall absolut wahr und eindeutig: Es gehört immer mehr zum Alltag, Gefühle und den Ausdruck dieser zu verschleiern. Je größer Unternehmen werden und je komplexer und größer Mitarbeiterstrukturen angelegt sind, je globalisierter und vereinheitlichter, je technisierter und je modernisierter alles wird desto mehr geht eins verloren: Der Mensch selber. Man muss sich anpassen, man muss etwas repräsentieren, darstellen.
Es geht nicht nur um die Arbeit, es geht auch um den schönen Schein. Um das professionelle Perlweiß-Lächeln.
Authentisch wirken ohne authentisch zu sein: Denn authentisch hieße ja, die eigenen Schwächen, Gefühle und Gedanken nach außen hin zu präsentieren. Wie UNprofessionel!

Aber mal im Ernst: Wer profitiert wirklich davon, wenn die Menschen sich gegenseitig das Gefühl geben, in einem Haus voller Roboter gefangen zu sein? Je professonieller alle wirken wollen und sich an sich gegenseitig versuchen zu beweisen, dass eben diese Business-Manier völlig normal ist, desto mehr geht das flöten, was dahinter ist: Geist, Gedanken, Gefühle.
Ich plädiere keineswegs dafür, sein Herz ständig auf der Zunge zu tragen und jedem seine tiefsten Wünsche und Geheimnisse mitzuteilen. Auch ist es sicher zum Besten aller, wenn auf Konstruktivität der Kritik und freundlichem Umgang miteinander wertgelegt wird. Und nein, in Tränen auszubrechen, wenn man besagte Kritik zu hören bekommt, ist sicher auch nicht der beste Weg, um mit dieser umzugehen.

Emotionen jedoch komplett vom Arbeitsplatz zu verbannen und so zu tun, als könnten wir uns vorübergehend von Wünschen, Instinkten und Bedürfnissen trennen, kann auch nicht der richtige Weg sein. Was, wenn die kritische Meinung eben doch eher einem Schlag in den Magen gleicht und Tränen hochschießen?
Was, wenn man sich hintergangen fühlt oder aber andersherum jemandem einfach mal sagen möchte, dass man ihn wirklich toll findet, ihn und die Arbeit, die er leistet?
Ich glaube, dass schon so manch ein Burnout teilweise oder sogar zum Großteil genau deswegen entstanden ist. Man frisst sich den Kummer hinein, man traut sich nicht, man schauspielert. Irgendwo muss all das hin, die Gefühle, die nicht gezeigt werden dürfen. Wer also nicht den perfekten Ausgleich in Aikido oder Yoga gefunden hat, bleibt auf Dauer mit all den Emotionen und Impulsen, die zum Opfer der Business-Professionalität und der sogenannten "Authorität" gefallen sind, auf der Strecke.

Es gibt da ein Lied vom (ansonsten von mir nicht unbedingt präferierten) Sänger Herbert Grönemeyer, in dem er singt: "Der Menn heißt Mensch, weil er wärmt, weil er erzählt und weil er hofft und liebt, weil er MITFÜHLT und vergibt, und weil er lacht und weil er lebt."
Sich gegenseitig wahre Freundlichkeit, Mitgefühl, Empathie und damit auch Freude zu  spenden, sollte auch im Businesswesen mehr zum Usus werden. Zu verlieren gibt es dabei nur Floskeln, unterdrückte Ängste, Aggressionen und Enttäuschung.
Zu gewinnen dagegen: Ein offener, ehrlicher und glücklicher Umgang miteinander.
Und zu lernen, man selbst und dennoch erfolgreich zu sein. Damit kann man nur anfangen, wenn man die Maske endlich ablegt.

Montag, 2. Januar 2012

Angst vorm Alleinsein

"Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich." Wer kennt sie nicht, diese Liedtextstelle. Während man den lyrisch-ästhetischen Gehalt dieser Worte in Frage stellen kann, spricht (besser singt) Max Raabe jedoch ein Thema an, das durchaus in die Gefilde der Philosophie und Psychologie des menschlichen Daseins hinabtaucht: Der Angst vor der Einsamkeit.

Die meiste Zeit sind wir schwer beschäftigt. Entweder gibt es tatsächlich viel zu tun oder aber wir erweisen uns als wahre Meister der Ablenkung. Stillstand und Nichtsnutzen ist der Gesellschaft ein Grauen. Und ebenso vielen ist es das Alleinesein. Solange sich die Rädchen drehen, Hirn und Hände eingespannt sind und wir uns auf etwas (am besten gleich mehreres) konzentrieren können, ist die Welt in Ordnung. Doch sobald Ruhe einkehrt, der letzte Punkt der To-Do-Liste abgehakt ist, schleicht sie sich an. Die Frage ist einfach, banal, doch versetzt so manch einen in Angst und Schrecken: "Und jetzt?"
Hektisch wird das Mobiltelefon aus der Jackentasche gekramt und überlegt, wen man denn anrufen könnte. Wer hat Zeit oder Lust, etwas zu unternehmen?
Denn entweder sind wir produktiv oder in Gesellschaft. Eins von beiden muss erfüllt sein, denn das, was sonst droht, ist vielen ein Grauen.
Zeit der Ruhe. Zeit des Nachdenkens. Zeit des Grübelns.
Für viele geht das nämlich zunächst Hand in Hand mit einer traurigen und niederschmetternden Einsamkeit.
Auch ein Hauch von Schuldgefühlen kann sich anschleichen: Was, wie, du hast jetzt nichts zu tun? Wie kann das sein. Die anderen haben bestimmt grad auch etwas wichtiges zu erledigen. Such dir eine Aufgabe, aber flott!

Denn sobald man alleine ist, kommt man dazu, über SICH selbst nachzudenken. Nach dem Hadern und Fragen wie "Warum hat keiner Zeit für mich?" und "Was soll ich nur tun?" kommen bald wesentlich tiefer greifende Fragen, die wir vermeiden wollten: Was mache ich mit meinem Leben? Was kann ich, was will ich? Man möchte sich anpassen, aber nach der Pubertät und im steigenden Alter lernt man die eigene Persönlichkeit, Stärken und Schwächen besser kennen. Und findet heraus, was man möchte. Es ist einfacher, sich auf andere zu stützen und sich selbst über das Zusammensein mit ihnen zu identifizieren. Doch was passiert, wenn besagter Mensch aufeinmal weg ist?

Denn kennt man seine Stärken und Schwächen und setzt sich mit sich selbst auseinander, lernt man auch die einzige fixe Konstante in unserem Leben akzeptieren und lieben lernen: Uns selbst. Wer gelernt hat, sich auch alleine gut und sicher zu fühlen, wohnt in sich selbst. Die Zeit, die man alleine ist, sollte also keineswegs ein Grund zur Furcht sein. Es ist eine Chance und eine tolle Gelegenheit, endlich mal Zeit mit sich, und nur mit sich, zu verbringen.

Wer seinen Weg auch dann selbstbewusst und fröhlich geht, auch wenn mal keiner direkt neben einem herläuft, der hat es wohl geschafft: Er ist eine starke Persönlichkeit. Er wohnt in sich selbst. Er ist frei. Und kann als solche für andere ein toller und bereichernder Freund und Gefährte sein.

Er hat eine wichtige Lebenslektion gelernt:
Allein ist nicht gleich einsam.